« zurück zu Blogs

Eine Session zu Dritt 1.0

Martin Plettner

Die meiste Zeit im Jahr verbringe ich alleine am Wasser. Das hat nichts mit Fischgeilheit zu tun, es passt einfach in den meisten Fällen nicht. Der Urlaub überschneidet sich nicht, man ist sich bei der Gewässerwahl nicht einig oder es fehlt einfach der passende Angelpartner. Es gibt viele Gründe warum nicht gerade wenige Angler alleine Fischen gehen. Dabei hat das Fischen in einem Team doch so viele Vorteile: Man kann Erfahrungen und Informationen austauschen und die Angelei aus einem komplett anderen Blickwinkeln betrachten. Außerdem teilt man den Erfolg und die Freude und ist nicht einsam und alleine am Wasser. Und deswegen habe ich mich auf die Einladung von Lutz und Sebastian ganz besonders gefreut.

Nach dem ersten Oktoberwochenende sollte es dann endlich losgehen. Ich belud mein Auto und ließ das typische Hamburger nasskalte Wetter hinter mir. Nach jedem gefahrenen Kilometer vergrößerte sich die Vorfreude. Was für ein Gewässer würde mich wohl erwarten? Nach ungefähr 470 km und guten 5 Stunden auf der Autobahn kam ich bei schönstem Wetter wie angekündigt auf die Minute genau am See an. Lutz starrte nur verdutzt auf sein Handy und meinte zu den beiden „er ist schon da“ und holte mich vom Parkplatz ab. Schnell war der Trolley beladen und dann ging es Richtung Angelplatz, wo Sebastian und István schon warteten. Vor mir erschloss sich ein idyllischer, mit Bäumen umwachsener Baggersee. Unsere Stelle bot ausreichend Platz für uns alle und abends schien uns die Sonne ins Gesicht. Das war doch schon mal ein perfekter Start in die Session.

Da der See Sebastian und Lutz nicht ganz unbekannt war, konnten mir die beiden gleich einige Informationen geben. Es galt nicht viel Zeit zu verlieren, also ging es mit dem Boot aufs Wasser um Spots zu finden. Nach kurzer Zeit hatte ich mich für zwei Plätze entschieden. Meine linke Rute legte ich auf eine sanft abfallende Uferkante vor ein Krautfeld auf leicht weichen Boden bei 5m ab. Mein zweiter Platz war ein Plateau mitten im See, wo ich meinen Hookbait an der Kante bei 6m in einen krautfreien Bereich ablegte. Beide Plätze wurden mit 300 Gramm Big Water Mix Spanish Robin Red in 20 mm und 24 mm gefüttert. Als Hookbait verwendete ich jeweils eine 20 mm Kugel, da Karpfen diese nicht so stark einsaugen müssen wie 24 mm Boilies. Außerdem war nicht mit Weißfisch zu rechnen. Zu dem nutzte ich auch noch den Birdfood in 24 mm um schnelleren Erfolg zu haben.

Nachdem die Ruten scharf waren, kamen wir zum gemütlichen Teil des Abends und fachsimpelten über allmögliches bis tief in die Nacht hinein.

Doch am Morgen musste ich wieder fit sein, denn die Rute auf dem Plateau lief ab. Mit krummer Rute stand ich im Boot und trotzte den Fluchten des kampfstarken Fisches.

Obwohl der Schuppenkarpfen 2 Mal im Kraut festsaß, konnte ich den Drill für mich entscheiden und ihn vor der Kamera präsentieren.

Schnell kam die Rute wieder auf das Plateau und es dauerte keine halbe Stunde bis der nächste Fisch ablief. Ich war sofort an der Rute und baute Kontakt auf, doch es dauerte nicht lange bis der Fisch wieder im Kraut festsaß. Also wieder ab ins Boot. Auch dieses Mal konnte ich den Fisch sauber aus dem Kraut heraus lösen und der Drill konnte beginnen. Der Fisch stand wie ein Stein in der Tiefe und wollte meiner Zugrichtung einfach nicht folgen. Doch ich saß am längeren Hebel und konnte den Fisch zum Vorschein bringen. „Wow das ist ein dicker Spiegler“ sagte ich zu Sebastian, der schon zum Keschern bereit war. Der Fisch raste noch einige Male in die Tiefe, aber als er anfing Luft auszublasen, ließ er sich brav bis kurz vor den Kescher ziehen, wo er sich mit einem Kopfschlag vom Haken löste und gemächlich wieder in die Tiefe abtauchte. Die Enttäuschung war riesig, aber so ist halt nun mal unser Hobby. Der nächste Fisch ließ wieder nicht lange auf sich warten, aber fand dieses Mal den sicheren Weg in den Kescher.

Die letzte Nacht war vorüber und wir begannen alles einzupacken, doch dann ertönte der Bissanzeiger der Rute auf dem Plateau. Routiniert ging es ins Boot und wie auch nicht anders zu erwarten, saß auch dieser Fisch wieder bombenfest im Kraut. Dieses Mal schien es mir unmöglich den Fisch lösen zu können. Ich zog wie ein Irrer an der Schlagschnur und konnte nur mit großer Mühe das gefühlte halbe Krautfeld bewegen. Doch dann kam endlich eine Schwanzflosse aus dem ganzen Gewusel zum Vorschein. Schnell schob ich den Kescher unter den ganzen Klumpen in der Hoffnung den Fisch mit zu erwischen. Nachdem ich so einiges an Kraut aus dem Kescher entfernt hatte, kam das Schuppenbild zum Vorschein. Doch noch erwischt! Nachdem der Fisch versorgt war und die Erinnerung auf der Kamera festgehalten wurde, haben wir unsere restlichen Sachen zusammengepackt und uns dann verabschiedet. Während der Heimfahrt ließ ich den Trip nochmal Revue passieren und freute mich, dass ich eine schöne Zeit mit den Jungs hatte. Zuvor war ich meistens an Naturseen unterwegs. Obwohl ich recht gut mit dem Kraut zu tun hatte, werde ich bestimmt in Zukunft den einen oder anderen Baggersee ansteuern. Da Baggerseen flächenmäßig überschaubarer sind als die meisten Naturseen und man die Fische oft schneller finden kann, sind in meinen Augen Baggerseen attraktiver für Kurzsessions sind.

Wie Lutz und Sebastian den Trip erlebt haben, werdet Ihr in den folgenden Artikeln lesen können.

Martin



Wenn Sie es mögen, folgen Sie unserer Facebook-Seite!

Abonnieren Sie unseren Newsletter!