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Ausdauer wird belohnt

Vincent Leopold

Wer kennt es nicht. Die ersten wärmeren Tage des Jahres wecken in einem den unbedingten Drang, so schnell wie möglich wieder ans Wasser zu kommen und in die neue Saison zu starten.
So erging es auch mir dieses Jahr. Für dieses Jahr habe ich mir einige Ziele gesetzt und das gute Wetter des wärmsten Märzes seit Beginn der Wetteraufzeichnungen ließ mich hochmotiviert an diese herangehen. Ganz oben auf meiner „To-Do-Liste“ steht ein See, auf den ich mich eigentlich schon im vergangenen Jahr konzentrieren wollte. Doch wie es dann so ist. Man geht erstmal den Weg des geringsten Wiederstands bzw. den Weg, der mit dem geringeren Aufwand verbunden ist. So verbrachte ich den Großteil meiner Angelzeit, die ich an heimischen Gewässern verbrachte, an einem meiner Hausgewässer das ich schon seit einigen Jahren befische. Das neue Gewässer mit all seinen Möglichkeiten meine Angelei, durch die Gegebenheiten vor Ort, weiter zu verbessern ließ ich links liegen. Lediglich drei kurze Sessions von maximal zwei Nächten verbrachte ich an diesem See. Das soll sich dieses Jahr ändern.

Bereits Anfang März begann ich mit der Location. Zunächst ging es mir nicht darum konkrete Spods zu suchen, sondern mein Hauptaugenmerk legte ich darauf, den See und seine Struktur besser kennenzulernen. Die Augen öffnete mir Istvan Orban, Teamleader von KeenCarp. Als er mir erklärte und zeigte, wie genau man Location betreiben kann und sollte. Was hätte ich wohl in den vergangenen Jahren fangen können, hätte ich mich so intensiv mit der Spodsuche auseinander gesetzt. Ein Tastblei, einige H-Marker, eine Taststange, sowie GPS und Echolot gehören immer mit aufs Boot.

Hochmotiviert ging es daraufhin an das Suchen konkreter Angelstellen, für die ersten Ansitze des Jahres. Die Natur oberhalb der Wasseroberfläche führt einen im Frühjahr schnell auf die falsche Fährte. Es kommt nicht selten vor, dass man im zeitigen Frühjahr deutlich zu flach fischt. Deshalb suchte ich mir einen tieferen Bereich des Sees aus, welcher zudem strategisch günstig gelegen ist. Denn neben dem tiefen Wasser bietet der Platz dadurch, dass er an ein großes Flachwassergebiet grenzt, die Möglichkeit, seine Ruten auch in flacherem Wasser abzulegen. Stunden verbrachte ich damit die richtigen Stellen zu suchen. Ich fand interessante Kanten; harte Stellen, umgeben von schlammigen Bereichen, sowie Krautlöcher. In den kommenden Tagen fütterte ich die von mir gefundenen Stellen kontinuierlich an. Hierfür nutzte ich den Seafood-Mix in 20mm. Dieser hochattraktive Mix, sollte mir die Fische bei den noch kalten Wassertemperaturen an den Haken bringen. So standen sehr bald die ersten Ansitze an. Doch machen wir es kurz, in den folgenden zwei Wochen fing ich nicht einen Fisch. Mein Angelpartner Sebastian Wirtz, der ebenfalls ein Areal in diesem Seeteil befischte, konnte lediglich ein paar Brassen fangen. Wir waren einfach noch zu früh dran. Jedoch zeigte uns die Aktivität der Brassen, dass es nicht mehr lange dauern konnte, bis auch die Aktivität der Karpfen wieder zunehmen sollte. Auf Grund dessen, dass das Wetter in den darauffolgenden Tagen deutlich besser wurde und sich das Wasser nach und nach erwärmte, entschieden wir uns dafür, den Seeteil aufzusuchen, den wir uns für das Frühjahr ausgeguckt hatten.

Die Wahl fiel auf den Seeteil, in dem ich im vergangenen Jahr meine einzigen Erfolge an diesem See feiern konnte. Im Schnitt deutlich flacher, birgt er, grade zu einem solch frühen Zeitpunkt im Jahr, die Gefahr an den Fischen vorbeizuangeln. Allerdings handelt es sich auch um ein Areal, welches den Fischen, auf Grund seiner Struktur, mit Sicherheit zum Laichen dient. Da ich den Bereich über mehrere Wochen befischen möchte, ist er so denke ich, wenn nicht kurzfristig, dann aber doch mittelfristig eine gute Wahl. Voll mit Kraut, welches im Sommer bis an die Wasseroberfläche reicht und die Uferpartien gekennzeichnet durch Totholz und versunkene Bäume, handelt es sich um einen Bereich, der den Fischen zudem als Holdingarea dient.

Nicht nur den Platz änderte ich, auch bei der Wahl des Futters nahm ich eine Veränderung vor. Meine Wahl fiel auf den 50/50 Mix in den Größen 18mm und 24mm. Ein Köder, der gerade im Frühjahr seine volle Stärke ausspielt.

Zusammen mit Sebastian wollte ich hier richtig angreifen. Kontinuierliches Füttern auf sorgfältigst ausgesuchten Stellen, sollte uns den Fischen näher bringen. Dadurch, dass wir als Team agieren, können wir den Aufwand fürs Füttern aufteilen. Gerade für mich ein angenehmer Nebeneffekt, habe ich doch einen gehörigen Anfahrtsweg zum See. Als dann die erste gemeinsame Session anstand war die Motivation groß. Für eine Nacht wollten wir gemeinsam unsere neuen Spods befischen. Wir platzierten unsere Ruten in Tiefen von 1-4 Meter. Auch achteten wir darauf, unsere Spods in verschiedenen Distanzen zum Ufer zu wählen, um so möglichst schnell die Zugruten der Fische ausfindig zu machen. Was soll ich sagen, der Plan ging auf. Zumindest für einen von uns. Sebastian konnte zwei schöne Fische verhaften. Darunter auch ein besonders außergewöhnliches Exemplar. Dazu wird er mit Sicherheit an anderer Stelle genauer berichten. Ich konnte lediglich einen Fehlbiss verzeichnen.
So sehr ich mich auch über die Erfolge von Sebastian freute, mein Misserfolg führte natürlich dazu, dass ich mir weiter Gedanken über mein Handeln machte. So viel Arbeit, Zeit und Geld hatte ich in den letzten Wochen in meine Angelei an diesem See gesteckt und wieder war ich leer ausgegangen. Doch dass wir auf dem richtigen Weg waren zeigten mir ja die Fische von Sebastian. Irgendwann würde auch mein Knoten platzen, da war ich mir sicher. Da hieß es am Ball bleiben und die Motivation hoch halten. Schon eine Woche später fand ich mich wieder für zwei Nächte am See ein.

Einer Rute legte ich auf eine harte Stelle direkt vor einem überhängenden Busch, in einer Tiefe von 3m. Die andere platzierte ich auf einer kleinen Erhöhung. Umgeben von Kraut steigt die Gewässertiefe hier von 5 auf 4 Meter an. Auch die Bodenstruktur verändert sich radikal. Von Schlamm wechselt die Beschaffenheit hin zu bretthartem Untergrund. Ein absoluter Hot-Spod. Hier hatte ich in den vergangenen Tagen immer wieder einige Hände meiner 24mm 50/50-Mix Boilies versenkt. So sollte mir auch ein 24mm Boilie als Hakenköder dienen.

Als sich dann am nächsten Morgen die Rute mit einem Vollrun meldete fiel mir ein Stein vom Herzen. Jetzt musste alles ganz schnell gehen. Rein in die Wathose, hin zur Rute, rauf aufs Boot und dem Fisch entgegen. Dem Fisch bloß keine Zeit geben sich in einem der vielen Hindernisse oder dem Kraut festzuschwimmen. Erst verlief alles nach Plan. Schnell war ich in der Nähe des Fisches. Doch dann plötzlich: nichts mehr, der Fisch hängt fest. Er hatte sich vollkommen im Kraut festgeschwommen. Zunächst versuchte ich den Fisch über konstanten Druck aus dem Kraut zu dirigieren. Doch alle von mir ergriffenen Maßnahmen fruchteten nicht. Inzwischen spürte ich auch keinerlei Lebenszeichen mehr in meiner Schnur. Hatte ich den Fisch etwa verloren? Es half alles nichts mehr. Ich nahm meine Schnur in die Hand und zog. Als ich Meter für Meter einen gewaltigen Krautberg nach oben zog, verlor ich jegliche Hoffnung darauf, den Fisch erfolgreich zu landen. Doch plötzlich blitzte eine goldene Schuppe auf. Schnell griff ich mir mit der anderen Hand den Kescher und schöpfte den Fisch ab. YES! Es war vollbracht und der Knoten endlich geplatzt. 14,7kg geballte Schuppipower lagen in meinen Maschen.

Nach den ganzen Blanks der vergangenen Wochen freute ich mich riesig. Aus diesem Erfolg konnte ich nun neue Motivation und Energie für die kommenden Wochen schöpfen. Ich bin gespannt was für Schätze dieser See noch für uns bereit hält. Ich werde schon bald berichten. Denn schließlich geht die Saison jetzt erst so richtig los.

 

Vincent Leopold



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