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Mein erstes Mal „bewusst“ auf Karpfen angeln

Peter Gyulay

Es fing alles damit an, dass ich mir den Film von „Tamás Kozma – Jenseits der Hundert“ angesehen habe. Ich habe erkannt dass ich mich auf dem Holzweg befinde und viele unnötige und sinnlose Dinge am Ufer mache und auch wie viel Geld ich schon unnötig verbraten habe.

Seit dem Tag habe ich mir den Film mindestens zwei Mal pro Woche angesehen um das gehörte und gesehene zu verstehen. Schon beim ersten Mal ist mir aufgefallen, dass es im Film nicht wirklich um die Köder geht, sondern viel mehr um das Karpfenangeln bzw. das Angeln auf große Karpfen als ganzes. Da mich diese neue Denkweise immer mehr interessierte, beschloß ich im Juni 2018 meine Angelsaison für dieses Jahr zu beenden und mich auf das selektive angeln auf große Karpfen vor zu bereiten.

Ich musste meine Ausrüstung anpassen: die vielen unnötigen Sachen habe ich aussortiert und die noch fehlenden Ausrüstungsgegenstände besorgt. Das wichtigste habe ich noch vergessen: ich habe beschloßen vor meinem ersten Ansitz in der kommenden Saison einen Workshop zu besuchen, denn wie viele Teilnehmer schon berichtet haben, erhällt  man dort das nötige Grundwissen. Den richtigen Schock bekam ich erst beim Workshop. Ich wusste ja schon, dass ich auf dem Holzweg bin, aber es war mir bis dato nicht bewusst, dass ich gar keine Ahnung vom Karpfenangeln habe. Die 5 Stunden vergingen wie im Flug. Ich habe gespürt dass das nur die Spitze des Eisberges war und dass ich den Workshop nochmal wiederholen muss, damit ich meine Gedanken besser ordnen kann.

Ich muss dazu sagen, dass ich vor dem Workshop schon viele Blogs auf der Keen Carp Seite durchgelesen habe und auf ein Gewässer aufmerksam wurde, auf das ich bereits für mitte April einen 4 Tägigen Ansitz geplant hatte.

Zwecks der Köderwahl kontaktierte ich István Orbán, der mir mit Rat und Tat zur Seite stand. Zu seiner Einstellung möchte ich nur soviel sagen, dass er nicht gleich probiert hat mir Köder für mehrere Hundert Euroan zu drehen, sondern  unter Berücksichtigung der Gegebenheiten vor Ort sowie der Jahreszeit die für mich am besten geeigneten Köder zu finden. Für den Anfang empfohl er mir den den 50/50 Mix mit Spanish Red Flavour aus der gesalzenen Range in der 5 kg Packung und empfohl noch zur Sicherheit einen weiteren Köder mit zu nehmen für den Fall dass das Wasser „Explodiert“ und alles aktiv wird und zum freßen beginnt, denn dann wird es schwiereg bei den größeren. Deswegen wählte ich den Big Water Plus NHDC- Blueberry Dynamite aus der Ready Made Range, von denen ich lediglich 3 kg bestellte.

Am See angekommen musste ich feststellen, was mir auf der Homepage des Angelvereins schon aufgefallen war, nämlich dass dieses Vereinsgewässer regelmäßig und ständig durch die örtlichen Vereinsmitglieder beangelt wird und die ausgewiesenen Gastanglerplätze zwischen den Stellen der einheimischen Vereinsangler ausgewiesen sind. Dieser Umstand wird es auch nicht gerade leichter machen meine Ziele zu erreichen - dachte ich mir.

Am 15. April kam ich dann um ca. 12:00 Uhr am See an. Nach dem ich meine Angelstelle bezogen habe, habe ich mir erstmal einen Überblick über die nähere Umgebung verschafft sowie mit dem Aufbau meines Camps begonnen. Nach dem Aufbau ging es mit dem Boot raus aufs Wasser um das vor mir liegende Areal mit dem Echolot zu erforschen. Das Echolot zeigte eine monotonen und strukturarmen Gewässerboden, also nahm ich die Taststange in die Hand um mir einen genaueren Überblick über die Grundbeschaffenheit zu machen sowie meine Spots auszuwählen. Da nur die Nutzung eines Markers erlaubt ist, habe ich als zweite Markierung eine schon vorhandene Markierungsboje im See angepeilt die sich vor meiner Angelstelle ohnehin schon befand. Die andere Boje setzte ich den auf die rechte Seite meines Angelplatzes.Auf beide Plätze fütterte ich 10-15 Stück 50/50 Boilies und wiederholte dies die kommenden zwei Tage jeweils Morgens und Abends. Meine Ruten platzierte ich mit dem Big Water Plus NHDC – Blueberry Dynamite Ready Made Boilies ziemlich random und wartete gespannt wie die neuen Köder wohl ihren Dienst verrichten werden. Ich achtete lediglich darauf, dass ich nicht in die Nähe meiner Futterplätze komme um diese nicht zu stören.

Die erste Nacht brachten die Blueberry Boilies bereits 3 Fische, von denen einer 14,22 kg auf die Waage brachte. Am nächsten Tag wiederholte ich die Prozedur mit dem Füttern der Spots mit den 50/50 Boilies und angelte weiter mit den Blueberry Boilies.

Die nächste Nacht brach an und brachte nur einen Fisch, allerdings brachte dieser wunderschöne Schuppenkarpfen 16,45 kg auf die Waage.

Früher wäre ich mit solch einem Ergebniss schon vollkommen zufrieden gewesen, aber ich spürte, dass wenn meine Taktik funktioniert, da noch viel mehr drinn ist. Der dritte Tag brach an, als ich um 18 Uhr nach ca. 50 Stunden Vorbereitung, endlich meine Montagen auf meine vorbereiteten Spots ablegte. Eine Stunde später war jedoch die enttäuschung groß, denn ein etwa 7 kg schwerer Schuppie schnappte sich meinen Köder von einem der Spots.

Ich fing an zu grübeln, denn mit den Blueberry Boilies konnte ich die letzten zwei Nächte gute Fische weit über 10 kg fangen. Vielleicht sollte ich den Köder tauschen. Schließlich entschied ich mich dagegen. Wenn ich schon meine Futterplätze mit den 50/50 Boilies aufgebaut habe, werde ich diese Taktik nicht wegen einem kleinen Fisch aufgeben.

Diese Entscheidung erwies sich als die Richtige, denn nur eine Stunde später meldete sich meine andere Rute mit einem langsamen, aber gleichmäßigen Dauerton. Als ich die Rute in die Hand nahm, merkte ich sofort dass ich es mit einem guten Fisch zu tun hatte, denn er ließ sich nicht bewegen. Ich entschied mich das Boot zu nehmen und  den Drill von da aus fort zu setzen.

Hier möchte ich erwähnen, dass ich bei diesem Ansitz das erste Mal weiche Spinnruten im Einsatz hatte. Was soll ich sagen? Es war fantastisch. Ich genoss jede Sekunde des Drills. Ich Drillte den Fisch vom Boot aus ca. 10 Minuten bis sich endlich die Maschen meines Keschers um ihn schloßen. Ich hatte schon gesehen dass es ein guter Fisch ist, aber die wirkliche Größe des Fisches wurde mir erst bewusst, als ich ihn aus dem Wasser heben wollte. Die Waage zeigte genau 18,99 kg an.

Ich spürte wie mein Herzschlag an meiner Kehle pochte. Das war mein erster großer Fisch, den ich nicht blind aus Zufall gefangen habe! Nach einem schnellen Photo erlangte der Fisch schließlich seine Freiheit wieder und ich ließ die Ereignisse nochmal Revue passieren. Wieder und wieder spielte ich in Gedanken jede Sekunde des Drills durch.

Jetzt war ich mir 100% sicher, dass das, wovon István in den Workshops spricht, auch wirklich funktioniert. Am Abend kam dann die angenehme Überraschung: einer der Teammitglieder aus dem Keen Carp Team kam vorbei, als er erfuhr welche Köder ich nutze und von meinen Fängen gehört hatte.

Wir unterhielten uns lange und er fragte mich nach meiner Taktik und den Ködern und woher die Motivation kam, diese andere Art des Angelns aus zu probieren, welche sich so stark von dem aus den einschlägigen Medien bekannten Praktiken unterscheidet. Er musterte noch kurz meine Ausrüstung und wir sprachern noch über die weichen Ruten. Als Abschied meinte er noch zu mir, dass er denkt dass da noch mehr drin ist. Er könnte auch als Wahrsager durchgehen!

Um 01:30 weckte mich der Bissanzeiger meiner linken Rute. Irgendetwas zog langsam, aber dennoch in einem gleichmäßigen Tempo die Schnur von der Rolle. Ich zog meine Watstiefel an und watete dem Fisch entgegen. Als ich die Rute in die Hand nahm spürte ich erlich gesagt nicht wie groß mein Kontrahent war. Erst in der zweiten Phase des Drills überkam mich die Vorahnung, dass ich es womöglich mit dem bis jetzt größten Fisch der Session zu tun habe. Ich hatte den Fisch mit den leichten Spinnruten perfekt unter Kontrolle und konnte ihn nach etwa 30 Minuten zielsicher über den Kescher führen. Ich war mir sicher, dass der Fisch über 20 kg hat, aber ich hatte keine Ahnung um wie viel er darüber lag. Die Wage zeigte schließlich 21,59 kg an!!!

Ich war sprachlos. Schlußentlich weckte ich die Nachbarn und bat sie ein paar Photos zu machen bevor ich den Fisch schonend wieder in sein Element zurücksetzte. Es war ein unglaubliches Erlebnis! Ich konnte keinen Schlaf mehr finden. Dieser Trip hatte meine Erwartungen um ein Vielfaches übertroffen.

In der letzten Nacht konnte ich noch einen schönen Schuppie mit 11 kg oben drauf als Bonus fangen, denn dass, was ich mir vorgenommen und gewünscht habe, war bereits in Erfüllung gegangen. Ich war überglücklich.

Als Schlußwort meines kleinen Berichtes, möchte ich nochmal betonen, dass ich das, was ich im Workshop gelernt habe, eins zu eins umgesetzt habe und es schließlich auch zum Erfolg geführt hat und das bereits beim ersten Ansitz! Es war ein tolles Erlebnis einen 20+ Fisch zu fangen, ohne auf „glück“ hoffen zu müssen, sondern dank einer im Vorfeld geplanten Taktik und deren konsequente Durchführung mit den dazugehörigen Ködern zum Erfolg zu kommen. Für letzteres möchte ich mich nochmal recht herzlich bei István Orbán und seinem Team bedanken!

Vielen Dank!

Peter Gyulay



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