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Nach dem Workshop

Nikolas Korst

Der Begriff „Keen Carp“ begegnete mir erstmalig bei einer gemeinsamen Angelsession mit einem Kollegen vor 2 Jahren.

Er erzählte mir vom Bait Service und den Workshops und weckte so mein Interesse.

Dann kam der Winter und mit ihm mein erster Workshop. Meine Erwartungen waren sehr hoch, wurden jedoch weit Übertroffen. Ich hatte zwar mit vielen neuen Informationen gerechnet, aber nicht mit so viel Input. Vieles wirkte schon fast unglaubhaft, da es dass genaue Gegenteil von dem war, was ich bis dahin über das Karpfen angeln wusste, oder besser gesagt zu wissen glaubte.

Ein großer Positiver Aspekt an dem Workshop war für mich, dass es keine Verkaufsveranstaltung war. Es drehte sich alles um das Karpfenangeln, wie Fische fressen, Nahrung suchen, die Nahrung verdauen und und und. Ich wusste sofort dass ich mehr wollte. Mehr Wissen, mehr angeln und mehr große Fische fangen!

So stellte ich meine Angelei nach dem Workshop fast komplett um.

Ich nahm Kontakt zu dem Keen Carp Bait Service Berater Victor Fröschl auf, um gemeinsam die richtigen Köder und die dazu passende Taktik zu finden. Wer schon mal am Workshop war, der weiß dass diese zwei Dinge untrennbar miteinander verbunden sind. So schilderte ich ihm alle meine Gewässertypen bis ins Detail. Anhand meiner Informationen entschieden wir uns gemeinsam für zwei Boilies: Den Hemp/Nutty Mix mit Pistachio/Black Pepper Flavour sowie den Big Water Mix mit Spanish Red/Super Cinnamon Flavour. Beide Köder bestellte ich in 24mm und in Härtegrad 2.

Wegen den verschieden Gewässern die ich ganzjährig beangeln wollte, bestellte ich noch zwei Köder aus der gesalzenen Boilie Range: Den Hot Fish&Gammarus Mix mit Blueberry – Scopex Flavour in 20mm sowie den 50/50 Mix mit Spanish Red Flavour in 24mm, um im zeitigen Frühjahr und für kürzere Ansitze einen attraktiveren bzw. schneller arbeitenden Köder zur Verfügung zu haben.

Neben den Ködern sprachen wir mit Victor auch über verschiedene Taktiken, Spotwahl und auch Montagen. Ich erhielt viele nützliche Tipps. Ein Service, der seines gleichen sucht und dem ich schon jetzt sehr viele Fische zu verdanken habe und jedem nur wärmstens empfehlen kann.

Ende Mai war es dann endlich soweit. Ich kam ( leider erst ) das erste mal für 2019 ein Wochenende ans Wasser. Voller Vorfreude und hochmotiviert begann ich schon  in der Woche zuvor meinen Ansitz akribisch bis ins kleinste Detail zu planen um mich am Wasser zu 100% aufs angeln konzentrieren zu können.

Am See angekommen war meine Motivation schnell gedämpft, als ich sah dass um den halben See bereits Camps aufgebaut waren. Da ich dieses 10 ha große Gewässer schon in den Vorjahren einige male beangelt habe, wusste ich dass es nicht leicht werden würde bei dem ganzen Tumult fische zu fangen. Trotzdem entschied ich mich, an meinem Plan fest zu halten.

Anstatt hastig mein Camp an einer freien Stelle aufzubauen,begann ich erst einmal damit Location zu betreiben. Ich drehte mehrere Runden um den See und hielt nach Fischen ausschau, denn auf dem Workshop habe ich gelernt, dass ich nur da fangen kann, wo auch Fische sind. Das klingt etwas plump, aber viele Angler und auch ich war da sicherlich keine Ausnahme, suchen die Lösung in irgendwelchen Hyper-Super-Rigs und Wunderködern mit geheimen Zutaten, anstatt Zeit und Energie in ordentliche Location zu investieren. Heute weiß ich, dass einfach die Ruten zu beködern und auszuwerfen und unmengen zu füttern in der Hoffnung den Fisch „anzulocken“ mich meinem Ziel nicht näher bringt. Es ist vergleichbar mit einem Jäger, der im Wald  blind um sich schießt. Vielleicht trifft er was, vielleicht aber auch nicht und ich wollte nichts dem Zufall überlassen.

Während meiner Rundgänge beobachtete ich an fast jedem Camp der anderen, Angler die Fische fingen allerdings aussschliesslich kleinere um die 5 kg.

Genau das war der Moment. Der Moment, in dem ich meine Komfortzone verlassen musste. Die Komfortzone, von der auch am Workshop gesprochen wurde. Ich wusste dass ich nur an bessere Fische komme, wenn ich auf Selektive Köder setze.

Ohne Fischaktivität im Wasser zu sehen, suchte ich mir eine Angelstelle aus, die so weit wie möglich von den anderen Camps entfernt war. So war an meinen Spots die größt mögliche Ruhe. Die Ruhe, die ich für Nötig hielt um an die dicken zu kommen. Hierbei blieb mir nur das Westufer des Sees, an dem ich schließlich auch mein Camp aufbaute.

Ich schnappte mir die Lotrute und begann den Wasserkorpus der vor meinem Angelplatz lag, systematisch nach geeigneten Hotspots abzusuchen. Dies war um ehrlich zu sein schwerer als gedacht, da der See in puncto Struktur sehr monoton ist. Nach über einer Stunde ausloten fand ich eine kleine Kante in ca. 70 m Entfernung. Es waren vielleicht 20 bis 30 cm Unterschied. Für mich genau der Unterschied, der den Erfolg bringen sollte. Da ich nach einigen weiteren Würfen nichts mehr gefunden habe, entschloss ich mich beide Ruten mit der höchst möglichen Distanz zueinander an eben dieser Kante abzulegen. Auch bei der Montage der Ruten versuchte ich so genau wie möglich vorzugehen. Ich schärfte die Haken nach, kontrollierte die Rigs und alle Verbindungen in der Schnur zwischen Rute und Köder.

Für die erste Rute wählte ich als Köder den 50/50 Mix. Ich warf die Rute kurz hinter die zuvor gefundene Kante und fütterte lediglich 8 bis 10 Boilis mittels PVA hinzu.

Kurz darauf beköderte ich die zweite Rute. Aufgrund der doch recht warmen Wassertemperatur entschied ich mich hierbei für den Big Water Mix aus dem Bait Service. Auch hier fütterte ich lediglich 8 Boilies mittels einem PVA hinzu. Genau so, wie ich es im Workshop gelernt habe.

Die Ruten lagen und das Warten hatte begonnen. Der Tag neigte sich langsam dem Ende zu und ich saß zufrieden mit einer Tasse Tee auf meinem Stuhl und beobachtete weiter den See.

In diesem Moment wurde mir zum ersten Mal klar, wie viel Arbeit ich mir an diesem Tag gemacht hatte, wie viel Energie ich in das Wochenende gesteckt hatte. Das war bereits ein großartiges Gefühl, obwohl ich noch gar nichts gefangen hatte.

Der Abend und auch die Nacht verliefen ruhig. Am nächsten morgen lief dann die mit dem 50/50 Boilie beköderte Rute ab. Nach kurzem Drill konnte ich den ersten Fisch sicher landen. Ein Schuppenkarpfen mit ca. 7 bis 8 Kilo. Nicht unbedingt der Fisch, für den ich hergekommen war, aber natürlich freute ich mich trotzdem darüber den ersten Karpfen der Session gefangen zu haben, ich entschloß mich jedoch auch bei der 2.Rute auf den Big Water Mix zu setzen und damit noch selektiver zu fischen.

Ich muss zugeben, im Laufe des Tages machte ich mir schon einige Gedanken ob mein Vorgehen wirklich das richtige für diesen See und die Jahreszeit war. Dennoch vertraute ich eisern auf den Bigwatermix. Ich wusste dass der Köder funktioniert und sollte auch recht behalten. Gegen Nachmittag lief die Rute ab, die bereits seit dem Vorabend sowohl von mir als auch von den Fischen unberührt an ihrer Stelle lag. Ich wusste bereits nach wenigen Momenten im Drill, dass ich nun einen bessern Fisch haben am anderen Ende haben musste. 15 Minuten später konnte ich sicher einen 18 kg schweren Schuppenkarpfen über den Kescherrand ziehen.

Zuvor noch von den anderen Anglern aufgrund meiner ganzen Vorgehensweise und bisherigen Fangquote belächelt, wurden die Augen doch recht groß, als sie sahen wie ich den Fisch Fotografierte.

In den folgenden Stunden hatte ich viel Ruhe und Zeit zum nachdenken. Es war für mich ein unglaublich gutes Gefühl, dass mein Plan aufgegangen ist und zu sehen, dass die Taktik funktioniert hat. Ich glaube das war wirklich das erste mal, dass ich zumindest Ansatzweise bewusst geangelt habe.

Die Stunden vergingen und ich entspannte mich bei bestem Wetter am See. Am Nachmittag dann der nächste Biss. Wieder die gleiche Rute am gleichen Spot. Auch hier merkte ich bereits im Drill, dass es kein ganz kleiner sein konnte und auch damit sollte ich recht behalten. Kurze zeit später landete der Nächste gute Fisch im Kescher. Diesmal war es ein Spiegelkarpfen mit 16.1 Kg. Wieder hatte meine Taktik funktioniert.

Die letzte Nacht und der darauf folgende Morgen verliefen wieder ruhig und so beendete ich meine Session Sonntagvormittags.

Auf dem Heimweg dachte ich noch mal über das Erlebte an diesem Wochenende nach, und war mehr als nur Zufrieden das meine Taktik, mein Masterplan aufgingen und ich diese 2 guten Fische fangen konnte.

Ohne mein durch den Workshop erlangtes Wissen, sowie die herrvoragende Beratung im Baitservice durch Victor Fröschl, hätte ich mich mit höchster Wahrscheinlichkeit auch nur mit den kleineren Fischen zufrieden geben müssen. Ich weiß, diese Aussage hat für viele einen bitteren Beigeschmack, sie sollte aber keines Wegs negativ aufgefasst werden. Aber sein wir mal ehrlich: Jeder von uns wünscht es sich doch große Fische zu fangen, oder?

In diesem Sinne allen viel Erfolg!

 

Nikolas Korst



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