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Entwicklung

Victor Fröschl

Im letzten Jahr hat sich ein Großteil meiner Angelei auf ein mir damals noch unbekanntes, kleineres Vereinsgewässer konzentriert. Als Bait Service Berater ist einer meiner Kernaufgaben die Kundenbetreeung. Sowohl in Punkto Köderwahl als auch bei der Ausarbeitung einer passenden Taktik. Hierfür ist ein ständiges lernen und weiterbilen unerlässlich, um authentisch bleiben zu können. Ich wollte lernen das Wasser besser zu lesen, die Gewohnheiten der Fische besser kennen zu lernen und wie sie auf die Veränderung bestimmter Einflüße reagieren.

Es war kein Gehemniss, dass ich neben dem Lernaspekt auch das Ziel hatte, den größten Karpfen des Sees zu fangen, einen charakteristischen Spiegler, der nach meinem Kenntnisstand zuletzt in 2017 gesichtet wurde. In diesem Artikel möchte ich auf die Resultate dieses Zeitraumes (etwas über ein Jahr), sowie auf den (manchmal steinigen) Weg bis dahin und auf die Fehler die ich begangen habe, etwas genauer eingehen.

 

Der See

Der See ist seit den `70er Jahren in Vereinshand und weist einen mittelmäßigen Karpfenbestand auf. Der Hauptbestand bilden Karpfen zwischen 6-9 kg. Die waren nicht meine Zielgruppe. Von den größeren 15+ Fischen gab es schon wesentlich weniger. Wenn es hoch kommt, könnte ich sie an zwei Händen abzehlen. Desweiteren erschweren Schleien und große Brassen das Angeln, welche ich sogar beim Laichgeschehen beobachten konnte. Der See wird seit jahren von einer handvoll Karpfenanglern beangelt. Von ihnen erhielt ich die Information, dass das Gewässer schwer sei und die Fische ihre Standorte nicht durch buckeln oder springen verraten. Hm...dachte ich mir, dass werden wir schon sehen. Ich habe schon früh gelernt mit derartigen Informationen um zu gehen.

Ich rief István an, um ihm von meiner Vorgehensweise zu erzählen, mit der ich das Gewässer anfangen wollte zu beangeln. Da die Bootsnutzung untersagt ist, bleibt nur die Location vom Ufer. István empfohl mir statt der Spotsuche mittels eines Marker Float-s das Wasser zu beobachten, denn an kleineren Gewässern kann man die Fische so am einfachsten lokalisieren. Die Spots genauer unter die Lupe zu nehmen könne ich auch später noch – meinte er.

 

Köder

Da sich meine Ansitze zur Zeit meistens auf ein Wochenende bzw. 2-3 Tage beschränken, musste ich auch meine Taktik- und Köderwahl dementsprechend anpassen. Wer Keen Carp kennt, der weiß, dass wir entgegen dem weitverbreitetem Irrglauben nicht nur für Zeitmillionäre Lösungen anbieten.

Bei den Ködern viel meine Wahl auf 3 Mixe, welche ich entsprechend der jeweiligen Jahreszeit einsetzte. Wer schon mal an einem Workshop teilgenommen hat, der weiß, dass die Fische im Jahresverlauf verschiedene Nahrungsbedürfnisse haben.

Demnach habe ich für den April einen attraktiven und schnell arbeitenden Mix gewählt, den Hot Fish&Gammarus Mix in 20 mm Größe. Diesen Mix empfehlen wir bis Mai, solang die Aktivität der Weißfische noch nicht zu hoch ist, da der Mix aufgrund seiner Attraktivität nicht selektiert und die Weißfischaktivität problematisch werden kann.

Ab Mai bzw. nach der Laichzeit habe ich zwei andere Mixe verwendet. Den Hemp/Nutty Mix, einen attraktiveren, aber fischmehlfreien Mix, der über ein sehr guten Energiegehalt verfügt und damit entsprechend anziehend für die größeren Karpfen ist, aber aufgrund seines hochwertigen pflanzlichen Eiweißes (Hanf) dennoch attraktiv genug für die kürzeren Wochenendansitze ist. Nicht umsonst ist diese Mischung einer der Favoriten von Hub Genders.

Als zweiten Mix wählte ich einen selektiven Mix, den Big Water aus. Dieser Mix ist das Ass der selektiven Köder, der nach der Laichzeit erst richtig zeigt, was er kann. Diesen kohlehydrathaltigen Mix hat Hub Genders vor über 25(!) Jahren speziell für die Bedürfnisse der großen Karpfen entwickelt und seit dem die Rezeptur nicht mehr verändert! Unsere Kunden verdanken ihm die meisten kapitalen Karpfen europaweit.

Um die selektivität zu erhöhen, habe ich beide Köder in 24 mm und Härtegrad 2 im Keen Carp Bait Service abrollen lassen.

 

2018 April

Mein erster Ansitz war im April des letzten Jahres. Ich ging wie mit István besprochen vor. Am Wasser angekommen bin ich erstmal eine Runde um den See gelaufen. Anschließend habe ich mich am Damm positioniert, denn von hier aus hat man fast den ganzen See im Blick und beobachtete das Wasser ein paar Stunden lang. Ich musste garnicht lange warten, bis sich der erste Fisch ufernah vor dem Schilf zeigte. Ein wenig später zeigte sich ein anderer am gegenüberliegendem Ufer. Über das Wochenende konnte ich noch weitere Stellen mit Fischaktivität ausmachen.

Am Sonntag kam dann der Wetterumschwung und der Wind drehte. Die Fische zeigten sich nun über meinem Futterplatz. Innerhalb einer Stunde konnte ich zwei der besseren Fische des Sees fangen. Es waren zwei Schuppies mit 21 kg und 14,2 kg. Für den Anfang garnicht schlecht, dachte ich. Leider hat die Geschichte einen bitteren Beigeschmack. Meine neu erworbene Kamera hatt keine brauchbare Selbstauslösefunktion und mir kam in dem ganzen Troubel die Option des Filmens garnicht in den Sinn. So habe ich nur halbwegs brauchbare Photos mit meinem Handy machen können.

 

2018 Mai

Bei meinem nächsten Anitz erwies sich der Hot Fish&Gammarus Mix als zu attraktiv und ich fing meinen ersten kleineren Fisch. Das ist das zeichen dafür, dass die Zeit der attraktiven Boilies abgelaufen ist und man auf einen selektiveren Köder umsteigen muss. Da wir schon Ende Mai hatten und die Wassertemperaturen schon hoch genug waren, habe ich zum Big Water und Hemp/Nutty Mix gewechselt.

Ich konnte wieder Fischaktivität an einem Spot ausmachen, an dem ich schon zuvor Fische beobachten konnte. Da es erst Freitag war, entschied ich mich den Platz vorerst  in Ruhe zu lassen und nur zu füttern. Ich fütterte lediglich 20(!) Big Water Boilies an dem Platz.

Dies wiederholte ich auch am nächsten Tag. Währenddessen angelte ich auf der gegenüberliegenden Seite, weit weg von dem Platz. Samstag Abend habe ich dann die Montage an den nun seit 2 Tagen vorgefütterten Platz befördert. Um 4 Uhr morgens erwachte dann mein Bissanzeiger zum leben. Das Ergebnis war ein wunderschöner Spiegler mit 16,80 kg.

 

2019 Mai

Aufgrund meiner Arbeit hatte ich im Sommer nicht mehr wirklich Zeit um ans Wasser zu kommen und im Herbst standen zwei längere Sessions an anderen Gewässern an. So habe ich das Angeln an dem See erst wieder im Mai dieses Jahres aufegnommen.

Bei meinem ersten Ansitz habe ich einen Fehler hinsichtlich der Köderwahl gemacht. Der Hemp/Nutty Mix war zwar passend, aber der Härtegrad 2 erwies sich als zu hart und der Boilie arbeitete nicht richtig.

Vor meinem nächsten Ansitz habe ich die Boilies zuhause in Wasser eingewiecht, um sie so schneller zu machen und konnte auf Anhieb meinen Zielfisch, den alten Spiegler fangen. Der Fisch brachte genau 23,62 kg auf die Waage. Selber Platz, selber Köder. Ich musste nur meinen Fehler erkennen und ihn korrigieren. Dank dieser Erkenntnis konnte ich am Wochenende noch zwei weitere Fische fangen.

 

2019 Juli

Mein nächster, 4 Tägiger Ansitz viel auf mitte Juli. Ich fütterte 3 Tage lang einen vielversprechenden Platz, den ich schon seit längerem im Auge hatte, mit 150-200 g Hemp/Nutty Boilies vor.

Da der großteil der Bisse an diesem Gewässer in den Vormittagsstunden kam, war ich schon früh a morgen auf den Beinen und habe die Rute um Sechs Uhr an den vorgefütterten Platz geworfen. Ich war gerade mit István am telefonieren als der Ton meines Bissanzeigers unser Gespräch unterbrach. Das Ergebnis war ein Spiegler von 13,30 kg.

Ich warf die Rute neu, aber der Rest des Tages verstrich ereignislos. Am nächsten Morgen war ich gerade mit meinem Frühstück fertig, als mein Bissanzeiger erneut zum Leben erwachte. Ich nahm die Rute auf und spürte sofort starken Wiederstand am anderen Ende. Nach einem gut 15 minütigen Drill konnte ich den Fisch endlich vor den Kescher führen und erfolgreich keschern.

Im Netz bot sich mir der Anblick eines massiven Rückens. Ein bekannter Anblick, den ich schon ein paar Wochen zuvor sehen durfte. Wieder konnte ich den alten Spiegler überlisten, den ich bei meinem letzten Ansitz vor der Laichzeit mit 23,62 kg fangen konnte und der jetzt 22,86 kg auf die Waage brachte. Zweimal hintereinander, von zwei unterschidelichen Spots, mit dem selben Köder!

 

Das „Warum?“

Schon am Anfang habe ich bei Keen Carp gelernt, dass die wichtigste Frage die sich ein Karpfenangler stellen muss, das WARUM ist. Warum fange ich Fische? Wenn ich langfristig Erfolg haben will, muss ich Antworten auf das warum finden. Und nach Möglichkeit die richtige Antwort, denn wenn wir aus den Ereignissen die falsche Konsequenz ziehen, können wir es auch gleich sein lassen. Um die richtigen schlüsse ziehen zu können, müssen wir im Besitz des dazu nötigen Wissens sein.

Ich bin nach mehreren Workshops in der glücklichen Lage, dass mir die Köderwahl kein Kopfzerbrechen mehr bereitet. Wenn ich Fehler mache, bin ich in der Lage schnell zu erkennen was ich falsch gemacht habe und in kurzer Zeit die Lösung zu finden. Und all das ohne Rumprobieren, sondern anhand des erlernten Wissens. Viele können sich garnicht vorstellen, welches Selbstbewustsein und welche Gelassenheit das einem verleiht. Darüber hinaus kann ich für jeden Köder eine andere Taktik anwenden. Dieser Background ermöglicht mir auch, dass ich mich fast nur mehr um das lokalisieren der Fische kümmern muss.

Wie lief das an diesem Gewässer ab? Das beobachten der Fische hat mir viel verraten. Zunächst einmal viel mir auf, dass sich die Fischsichtungen auf bestimmte Seebereiche konzentrieren, wohingegen andere Bereiche „leer“ waren. Viele dieser Stellen die ich beangelt habe, waren wie sich später herausstelte voll mit natürlicher Nahrung. Die Fische zeigten mir diese Spots ganz einfach mit ihrer Präsenz. Mehrfach fand ich nach dem einholen der Montage Zuckmückenlarven an meinem Haken. Mit dieser Technik konnte ich unter anderem 5 Zuckmückenlarven-Felder finden. Diese Information kann in der Zukunft noch sehr nützlich sein.

 

Vorsicht mit den Informationen

Die These der Kollegen, dass sich die Fische nicht zeigen war auch an diesem Gewässer falsch.Was allerdings stimmte war, dass wenn ich erst um 7-8 Uhr aufstehe, ich keinen Fisch sehen werde. Dafür muss man sehr früh morgens aufstehen und das wird niemand für uns erledigen.

Die meisten Angler verlassen sich lieber auf solche Informationen, anstatt sich selbst welche zu beschaffen. Das ist natürlich auch ne Menge Arbeit. Ich gehe lieber ans Wasser auf alle Eventualitäten vorbereitet, ohne Informationen, als mich auf falsche Informationen zu verlassen.

 

Motivation

Auch ich stehe nicht gerne um vier Uhr Morgens auf um das Wasser zu beobachten und meine Plätze zu füttern, aber wenn ich meine kurzen Ansitze erfolgreicher gestalten will, muss ich was dafür tun. Das nennt man Motivation. Wer schon mal an einem Workshop teilgenommen hat, der weiß um was es geht und wie wichtig es ist. Der Wunsch nach großen Karpfen reicht nicht aus, man muss auch was tun damit man sie fängt. Das fällt bei jedem außerhalb der Komfortzone, auch bei mir. Wer jedoch erfolgreich sein möchte, der muss regelmäßig seine Komfortzone verlassen

...wer natürlich schon von vornherein nicht zum Fische fangen ans Ufer geht, sondern weil er die Natur genießen will, oder um mit den Freunden Zeit am Wasser zu verbringen, der wird immer ein Schlupfloch finden, mit dem er sich und seinem Umfeld seinen Misserfolg erklären kann. Wenn ich wirlich nur rausgehe, um die Natur zu genießen, dann brauche ich die ganze Ausrüstung nicht zum Ufer schleppen und so viel Zeit, Energie und Geld zu investieren. Dazu reicht auch ein Klappstuhl und eine Thermoskanne.

Ich mag es auch nicht, wenn ich keinen Fisch fange und es ist auch mir unangenehm sagen zu müssen, dass ich keinen Fisch fangen konnte, aber ich weiß, dass sich dieser Zustand nicht ändern wird, wenn ich es auf den Luftdruck, zu warmes Wetter, „ich geh nur zum abschalten mit den Kumpels ans Wasser und nicht um Fische zu fangen“ und ähnliche Ausreden schiebe.

Damit überziehen  wir unser Problem, nämlich UNS SELBST, nur mit einer Schönen Zuckerglasur. Wir selbst sind für unseren Misserfolg verantwortlich. Wir entscheiden wann, wo, mit was und wie wir angeln. Wir wählen die Taktik, den Köder, den Platz, die Montage. Wenn wir nicht über ein Wissen verfügen, mit dem wir in der Lage sind bewusste Entscheidungen zu fällen, dann bleibt uns nur das herumprobieren (Trail-Error) und wir können weiterhin sagen, dass wir kein Glück hatten.

 

Herangehensweise an das Angeln

Was bedeutet eigentlich das Angeln? Für mich bedeutet es den Weg bis zum Biss. Die investierte Energie und Zeit bis zum ersten Biss. Das drillen und ein schönes Photo als Erinnerung ist nur der Bonus oben drauf.

Die besseren Fische konnte ich alle an unterschiedlichen Plätzen fangen. Wenn ich mehrere Fische vom selben Platz fing, kam in der zweiten Runde eher einer der kleineren, also entschied ich mich nach einem Fang den Spot zu wechseln, um die gefundenen Plätze „warm zu halten“ und nicht aus zu brennen.

István sagt oft: „Angle nicht für die Gegenwart, sondern für die Zukunft!“. Auch ich brauchte eine Zeit lang, bis ich verstanden habe, was das wirklich bedeutet. Es bedeutet den Verzicht auf die Freude in der Gegenwart zu gunsten der Freude in der zukunft. Das gibt einem eine Art Drive, einen Motivationsschub, denn man verfolgt ein Ziel in der Zukunft. Wer jedoch das meißte aus jeder Situation herausholen möchte und alle Fische auf einmal fangen will, der hat schon für seinen Misserfolg in der Zukunft vorgesorgt. Denn: „Wie man sich bettet, so liegt man“.

Ich hoffe dass viele aus meinen Fehlern lernen und ich zeigen konnte, welche Möglichkeiten Keen Carp für jedermann bereit hält.

Weiterhin viel Erfolg,
Victor Fröschl



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