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Meine lehrreichste Session

Martin Plettner

Da mein letzter Auslandstrip doch schon einige Zeit zurück lag, kam mir Istváns Anfrage im vergangenen Winter zum gemeinsamen Teamangeln  sehr passend. Kurz mit meiner Freundin und Teamkollegen Sebastian abgestimmt und dann zügig zugesagt und einen Platz gesichert.

Am ersten Mai ging es dann los. Ich montierte die Dachbox auf dem Dach meines Kombis und das Schlauchboot links daneben, dass restliche Tackle wurde einfach in den Wagen geschmissen und dann ging es Richtung Göttingen. Nachdem Sebastian und ich dort gut eine Stunde Tetris gespielt hatten und endlich zwei komplette Karpfenausrüstungen in meinem Auto verstaut waren, ging die Reise zu zweit weiter.

Gut 12 Stunden und circa 1000 km später hatten wir unser Ziel endlich erreicht. Nach kurzer Begrüßung und Einweisung wurden die Plätze ausgelost und wir konnten mit dem Aufbauen und der Location beginnen. Da wir insgesamt 11 Teams waren, wurde der See entsprechend in 11 gleichgroße Bereiche abgesteckt. Für 2 Angler mit 6 Ruten eine recht überschaubare Fläche. Deswegen entschieden wir uns zuerst nur mit 4 statt 6 Ruten zu fischen.

Alle 11 Teams verfolgten dieselbe Futtertaktik: es wurden täglich pro Spot 300 Gramm Boilies gefüttert, die Ruten wurden jedoch erst am dritten Abend ausgelegt.  Ich verwendete den Big Water Mix geflavourt mit New Creammaster + Royal Cherry sowie doppelter Dosis Spanish Red in 24 und 28 mm.

Unsere Wasserfläche hatten wir in 3 Bereiche eingeteilt (eigenes Ufer, Seemitte und gegenüberliegendes Ufer) und dort jeweils 4 Spots angelegt. Unser Plan war es, als erstes auf den ufernahen Plätzen zu fischen, die anderen Plätze weiter zu füttern. Die erste Nacht verlief komplett ohne Biss. Die Unterwasserkamera bestätigte, dass die ufernahen Plätze nicht aufgesucht wurden, dafür waren aber die anderen Plätze leer gefressen. Wir wollten diesen Plätzen trotzdem noch etwas mehr Ruhe gönnen.

Ich beobachtete den ganzen Morgen die Wasseroberfläche. Als ich ca. 30 Meter hinter meinen Uferplätzen Gründelblasen aufsteigen sah, schnappte ich mir Boot und Taststange um mir einen Eindruck vom Boden zu verschaffen. Der ganze Bereich war sehr schlammig; nur unmittelbar wo die Gründelblasen aufstiegen, veränderte sich das Sediment minimal. Es wurde etwas grobkörniger, als wenn der Boden mit Schnecken oder ähnlichem übersät war. Genau hier legte ich meine Rute ab und fütterte nur eine kleine Handvoll Boilies. Die Rute lag keine Stunde bis sich der Bissanzeiger meldete und ein Schuppenkarpfen von knapp 15 Kilo den Weg in  den Kescher fand.

Es dauert nicht lange bis dieselbe Rute erneut ablief. Jedoch schlitzte mir dieser Fisch nach kurzem Drill aus. Ich hatte mich anfangs geärgert, dachte mir aber dann, dass der nächste besser sitzen würde. Am darauffolgenden Morgen lief die Instantrute wieder ab. An den kräftigen Kopfschlägen merkte ich sofort, dass ein besserer Karpfen am anderen Ende sein musste. Da es sehr windig war, entschied ich mich den Fisch vom Ufer aus zu drillen.  Er folgte brav weiter meiner Zugrichtung und ich ahnte schon böses. Sebastian machte sich währenddessen schon zum Keschern bereit. Kaum war der Spiegler in die Nähe des Netzes angekommen, begann er seine Bahnen direkt unter der Rutenspitze zu drehen. Es fehlten nur noch wenige Zentimeter damit Sebastian ihn hätte keschern können. Aber dann flog mir die ganze Montage entgegen und der gut 20 Kilo schwere Spiegelkarpfen war verschwunden. „Sch….!!! Schon wieder ausgeschlitzt“ Ich hätte die Rute ins Wasser werfen können. Nachdem ich mich beruhigt hatte, musste ich was verändern, damit ich die Fische wieder sicher haken konnte. Schon beim ertsen Fisch war mir aufgefallen, dass der Haken nicht an der richtigen Stelle saß. Also verlängerte ich sicherheitshalber bei allen Ruten mein Haar um ein paar Millimeter. Obwohl ich bisher in meinen Vereinsgewässern in Deutschland selten Aussteiger während des Drill hatte, muss man an anderen Gewässern manchmal seine Angelei etwas den Gegebenheiten anpassen, um wieder im Spiel zu sein.

Mittlerweile standen die anderen Plätze 5 Tage ohne Angeldruck unter Futter. Wir hatten ein gutes Gefühl und wollten uns nun auf diese Plätze konzentrierten. In der darauffolgenden Nacht befischte ich wieder den Instantplatz und eine weitere Rute kam in die Mitte wo wir einen großen, recht harten Bereich gefunden hatten. Dabei konzentrierten wir uns hauptsächlich auf die Übergänge von hartem zu weichem Boden. In den frühen Morgenstunden lief auch diese Rute ab und ein Schuppenkarpfen von 17,5 Kilo konnte sicher gelandet werden. Der Haken saß perfekt, mittig in der Lippenwulst.

Mein Ziel war es jedoch mindestens einen 20+ Fisch zu fangen. Weshalb ich diesen Platz erneut für 24 Stunden mit Futter ruhen ließ und legte erst danach wieder die Rute dort ab, denn dort vermutete ich weitere große Karpfen. In der Zwischenzeit legte ich diese Rute auf einen anderen Spot ab. Es folgte eine weitere Nacht ohne Biss. Da sich auf dem Instantplatz nichts mehr rührte, entschied ich mich dazu diese Rute in den harten Bereich zu verlegen.

Inzwischen standen die Spots 7 Tage unter Futter. Nachts merkte ich, dass es sich erheblich abgekühlt hatte. Gut, dass ich meinen dicken Schafsack dabei hatte. Plötzlich ging der Bissanzeiger los und ich musste aus meinem kuscheligen Schlafsack raus. Wie erwartet war es die Rute auf dem harten, mittleren Bereich. Ich packte sie so schnell es ging und sprang ins Boot. Doch anstatt sicher mit einem Schritt ins Boot zu kommen, rutschte ich aus und landete wie ein Marienkäfer auf dem Rücken. Mein Kopf knallte gegen den Spiegel und meine Beine hingen irgendwo auf der Sitzbank. Das muss ein Bild gewesen sein…

Mit allen Vieren in der Luft, aber zum Glück noch die Rute in der Hand... Sebastian wusste in dem Moment nicht ob er lachen oder weinen sollte. Er stand einfach sprachlos am Ufer und ich meinte zu ihm „Willst du nicht langsam ins Boot kommen? Aber sei vorsichtig, das Boot ist total vereist“.

Die Verfolgung ging zu zweit weiter. Der Fisch war inzwischen schon ziemlich weit nach links gezogen und hatte mittlerweile unseren Bereich verlassen. Also mit Vollgas hinterher, denn wir wollten nicht, dass er die Schnüre der Nachbarn einsammelt. Anscheinend war es aber doch schon zu spät, denn Tamás war auch schon im Boot und hatte seine Rute ebenfalls in der Hand. Oder hatte er auch einen im Drill? Beide Boote näherten sich immer weiter bis wir uns in der Mitte trafen. Sebastian stellte die Verbindung beider Boote sicher und hielt das ganze Gespann mittels E-Motor auf der Stelle. Tamás und ich drillten zusammen mit zwei Ruten den Fisch. Was für ein Teamwork! Obwohl es immer noch saukalt war, war dies nicht der Grund warum mir die Knie zitterten. Der Fisch zog ganz ruhig und kraftvoll seine Bahnen und ließ somit die Boote kreisen, bis sich ein großer Schuppenkarpfen von weit über 20 Kilo das erste Mal an der Wasseroberfläche blicken ließ. Er tauchte noch einige Male ab bevor er sich von Tamás keschern ließ. Für mich standen während des gesamten Drills alle Uhren still. Obwohl nicht alles glatt lief, ich anfangs fast neben dem Boot gelandet wäre und der Fisch noch in Tamás Schnur schwamm, hatten alle die Ruhe bewahrt. Die kalte klare Luft, der ruhige Morgen, die Nebelschwaden über dem spiegelglatten Wasser und der Fisch im Kescher verliehen diesem Moment irgendwie was Magisches. Einer der schönsten Augenblicke, die ich beim Angeln erleben durfte. Am Ufer angekommen, war ich schon gespannt was der Schuppi auf die Waage bringen würde. Bei genau 26,8 Kilo blieb der Zeiger der Wage stehen und wurde so zu meinem neuen PB.

Abschließend betrachtet bin ich wirklich froh, dass ich diesen Trip auf mich genommen habe. Obwohl die Anreise bei so einem Trip immer mit Stress verbunden ist, überwogen wieder einmal die positiven Eindrücke. Ich konnte wieder neue Erfahrungen sammeln, habe nette Leute kennengelernt und hatte einfach eine tolle Zeit und konnte natürlich schöne Fische fangen. Ich werde zukünftig versuchen mindestens einmal im Jahr ins Ausland zum Fischen zu fahren, um einfach mal andere Gewässer zu sehen und vor neuen Herausforderungen zu stehen. Das ist unerlässlich, um neue Erfahrungen zu sammeln, die wir sonst nicht machen könnten.

 

Martin



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