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Glaube an das, was du tust!

Stefan Dumke

Als ich im Frühjahr 2019 das erste Mal einen Artikel von Keen Carp gelesen habe, war ich fest davon überzeugt die Taktiken und Köder einmal auszuprobieren. Ich erzählte meinem besten Kumpel, Tillman von meinen neuen Erkenntnissen und konnte ihn mit meiner Idee gleich überzeugen einen neuen Weg einzuschlagen. Karpfenanglen ist unsere Leidenschaft und über die Jahre haben wir schon so einiges ausprobiert. Für uns war die Zeit gekommen, einen neuen Weg einzuschlagen.

Wenn man sich alle Artikel und Blogs genauestens durchliest, dann kann man schon viel über die Philosophie von Keen Carp zwischen den Zeilen lesen. Ich möchte betonen, dass wir bisher noch keinen Workshop besucht haben!

Nichtsdestotrotz haben wir William vom Keen Carp Bait Service kontaktiert und schilderten ihm unsere Pläne. Ich konnte zwar nicht alle seine Fragen beantworten, aber ich erzählte ihm alles, was ich über das Gewässer wusste. Die vielleicht wichtigste Information war, dass dieses Gewässer viele große Weißfische beherbergt, die den Anglern regelmäßig Probleme bereiten. Der See ist nicht einfach zu befischen, aber dafür gibt es Karpfen bis 30 kg und einige Schönheiten aus dem Altbestand.

Am Ende des Beratungsgesprächs empfohl uns William anhand der Informationen die wir ihm gaben einen Boilie aus dem Hemp/Nutty Mix in 24 mm Größe.

Dann kam die schlechte Nachricht. Das Gewässer an welchem wir eigentlich fischen wollten, wurde vom Vorstand kurzfristig für die Nachtangelei geschlossen. Es war wie ein Schlag in die Magengegend. Wir hatten für dieses Gewässer extra Boilies im Bait Service abdrehen lassen und alles war schon bis ins kleinste Detail durchgeplant.

Ein Plan B musste schnellstens her, denn der Trip stand schon in drei Wochen bevor. Über diverse Facebook Kontakte suchten wir nach Gewässern als Alternative. Ein guter Bekannter von Tillmann meldete sich und lud uns ein einen See anzuschauen, der direkt bei uns in der Nähe war und fast identische Eigenschaften hatte, als das Gewässer, welches wir eigentlich bei unserem Trip ansteuern wollten. Stephano schwärmte regelrecht von dem Gewässer und sagte, dass wir es uns unbedingt anschauen müssen.

Wenig später fanden wir uns in einem Ruderboot auf dem See gemeinsam mit unserem Gastgeber Stephano wieder, der uns das Gewässer zeigte. Ein wahres Traumgewässer, dessen Schönheit wir bis jetzt verkannten, obwohl es in unmittelbarer Nähe zu unserem Wohnort liegt. Wir waren wie Feuer und Flamme vom Anblick und den Möglichkeitenm die sich uns boten.

Dieses Gewässer bot uns einfach alles, was wir gesucht hatten. Große Fische, eine Atemberaubende Flora unterwasser, die das Angeln interessant macht und zugleich erschwert. Auch das Nachtangeln ist erlaubt und die Vereinsboote können von jedermann benutzt werden. Wir entschieden uns spontan, sofort in den verein einzutreten.

Endlich war das langersehnte lange Wochenende da und unsere geplante Session konnte starten. Am Wasser angekommen, beluden wir unsere Boote und steuerten unsere Angelplätze an. Wir entschieden uns für einen Schlauch im See, welcher spitz zusammen läuft. Hier befindet sich auch der Einlauf des Sees der in eine Flachwasserzone mündet, welche voller Pflanzen steht. Wir wussten nicht, ob die Karpfen schon mit dem Laichgeschäft durch waren, aber hofften, dass wir hier in beiden Fällen ein paar Fische abfangen können.

Am ersten Tag war unser Ziel das errichten des Camps und anschließend den Rest des Tages Location zu betreiben und dei Hotspots zu suchen. Das Lager war schnell errichtet und so hatten wir genügend Zeit für die Spotsuche. Bewaffnet mit Echolot, Aquascope, Proddingstick und Tastblei fuhren wir jede interessante Stelle an und machten uns ein Bild vom Untergrund.

Jeder von uns fand jeweils eine interessante Stelle, an denen wir wie von William empfohlen, 3 Tage lang 2-3 händevoll Hemp/Nutty Boilies vorfütterten und in dieser Zeit nicht beangelten.

Des Weiteren legten wir uns noch je einen „Actionplatz“ an. Auf diesen wollten wir ab dem ersten Tag angeln, solange wir die „Big Fish Spots“ ruhen ließen. Diese Plätze fütterten wir mit Restbeständen von anderen Herstellern. Die Leckerbissen von Keen Carp wollten wir ausschließlich auf den „Big Fish Spots“ füttern. Warum fischten wir noch andere Hersteller? Wir wollten die Früher verwendeten Köder und Taktiken mit den jetzigen neuen vergleichen.

Es schien so, als hätten wir die zwei „Big Fish Spots“ und die Köder richtig ausgewählt, denn die Hemp/Nutty Boilies waren jeden Tag bis auf die Letzte Kugel verschwunden! Es war sehr schwer, stur an unserer Taktik festzuhalten und die vorgefütterten Plätze nicht zu befischen, aber wir glaubten an das, was wir taten und haben uns gegenseitig daran erinnert, dass wir das so durchziehen wollten! Die blanke Vorfreude brach in uns aus, als endlich die dritte Nacht vorbei war und wir unsere „Big Fish Spots“ beangeln durften! Die ersten drei Nächte vergingen wie im Flug und auf den „Actionplätzen“ konnten wir ein paar Fische bis 13kg fangen. Von den Großen Karpfen fehlte jedoch bisher leider noch jede Spur.

Nun kommen wir zu Tillmanns Hotspot. Er fand ein erfolgsversprechendes  Krautloch ziemlich am Ende des Schlauches an dem wir fischten. Das stellte uns vor zwei Herausforderungen. Erstens: wir mussten die Schnur umlenken um den Spot überhaupt beangeln zu können. Diese Problem löste Tillmann, mit einer Umlenkung, die er am gegenüberliegendem Ufer an einem aus dem Wasser ragenden Totholz-Stamm befestigte.

Zweitens: wir mussten etwas mit der Hauptschnur machen, da zwischen der Montage und den Ruten gute 200 m Entfernung lagen. Das Problem mit dem Kraut lösten wir mit einem selbstgebautem Subfloat, den wir aus einer 0,5 l PET Flache zusammengebaut hatte. Den Schwimmkörper haben wir mittels eines Karabiners und einer kurzen Schnur an der Hauptschnur befestigt. So war der Großteil der Hauptschnur über dem Kraut. Auf die Flasche klebten wir noch einen Streifen Reflexionsfolie, um die Montage auch nachts schnell finden zu können. Da die Hauptschnur wegen des Subfloats senkrecht nach oben verlief, machten wir uns Sorgen, dass dies auf die Fische eine abschreckende Wirkung haben könnte. So hat Tillmann ein 1,50 langes Stück Leadcore in Krautoptik vor die Hauptschnur geschalten und ich ein herkömmliches Leadcore, an welches ich einen Zweig befestigt hatte.

Zunächst legten wir Tillmanns Rute. Wir legten die Rute von zu zweit, da das Krautloch lediglich einen Durchmesser von 60 cm hatte. Ich saß am Ruder, während Till mit höchster Prezision seine Montage in Stellung brachte! Danach montierten wir den Sub Float an der Hauptschnur und ruderten richtung der Umlenkung. Wir waren sehr nervös und wolllten nichts verziehen bei diesem Manöver. Es kam mir vor wie eine halbe Ewigkeit, ehe wir wieder am Ufer ankamen und letztendlich die Rute auf den Bissanzeiger ablegten.

Alles lief gut und fehlerfrei. Die Köder, wie auch die Tage zuvor, waren wieder restlos verschwunden. Am Futterplatz konnte man schon regelrechte Löcher am Grund erkennen. Auch das umlenken der Schnur war geglückt. Auch die knifflige Bootstour meisterten wir erfolgreich ohne das Blei zu verrücken. Ich sagte noch zu Till: „Das wird ein 100%iger Lauf die Nacht und dann knallt es!“

Wir legten noch meine Rute auf den Hotspot und die anderen beiden wieder wie gewohnt auf die Actionplätze!

Danach bereiteten wir uns ein traumhaftes Abendessen auf dem Grill vor und genossen die Abendsonne. Stephano der ebenfalls mit uns fischen war und ca. 50 m oberhalb von uns campiert hat, kam natürlich auch dazu und leistete uns wie jeden Abend Gesellschaft. Er war genauso gespannt ob unsere groß angepriesene Köder-Taktik Kombination nun die Früchte tragen würde, die wir jeden Tag so optimistisch rausposaunten. Wir hatten gerade gegessen, als das passierte, was ich vorausgesagt hatte. Tillmanns Big Fish Rute erwachte zum Leben!

Er nahm die Rute auf. „Sitzt“- rief er und ich sprang ins Boot an die Ruder. Stephano machte uns los. Das war richtiges Teamwork.

Tillmann versuchte währenddessen den Kontakt zum Fisch aufrecht zu erhalten. Mit Schweißperlen auf der Stirn ruderten wir auf die Umlenkung zu. Wir haben vorher noch nie so geangelt und hatten Angst, dass wir durch einen kleinen Fehler den Fisch verlieren könnten. Als Tillmann dann die Rutenspitze schön über die Umlenkung führte, merkte er, dass  der Fischkontakt noch immer da war. Wir atmeten auf, die erste Hürde war genommen.

In der Ferne sahen wir schon den Subfloat tanzen, was auch einem Schwan nicht entgangen war. Das war ein Bild für die Götter wie er vor dem Subfloat stand und aufgeregt dessen Bewegungen mit seinem Kopf folgte. Ich war erleichtert das er das Weite suchte, als wir mit dem Boot näher kamen.

Jetzt begann die kritische Phase des Drills. Ich montierte den Subfloat von der Hauptschnur ab. Wir waren direkt über dem Fisch, der komplett im Kraut fest saß. Till achtete darauf die Rutenspitze über dem Fisch  und den Kontakt immer weiter aufrecht zu erhalten.

Wir konnten ihn noch nicht sehen aber Tillmanns Knie zitterten vor meinem Gesicht, wofür ich absolutes Verständnis hatte, meine hätten auch gezittert. Till entschied sich, dass ich die Rute übernehmen sollte und er mit der Hand den Fisch nach oben zieht. Stückchen für Stückchen gelang dieses Unterfangen und es dauerte nicht lange da haben wir ihn endlich gesehen. „Alter was für ein Fisch…“ Es war ein Schuppie mit einem Rücken wie ein Panzer. Ich war mir sicher dass der Fisch 20+ kg hat.

Jetzt stieg die Spannung noch mehr an. Till übernahm wieder seine Rute. Der Fisch wollte unbedingt nochmal abdrehen, doch Till konnte ihn geschickt daran hindern. Mit zitternden Armen und von Kriebelmücken zerstochen konnte ich den Kescher endlich unter den Wanst des Brockens schieben.

Mit einem wiederhallenden und unendlich lautem „Wohoooooooooooooooooooo“ weckte Tillmann den ganzen See auf. Ich hievte den Kescher mit Tillmann zusammen ins Boot. Da sahen wir das erste Mal die kompletten Ausmaße des Fisches!

Total nervös ruderten wir zum Camp zurück, wo Stephano bereits jubelnd und winkend in seiner Wathose stand… Als wir ihm verkündeten „Taktik aufgegangen“… wollte er uns zuerst nicht glauben. Wir haben dran geglaubt und es hat geklappt.

Die Waage blieb bei exakt 22 kg stehen. Die Wiegeschlinge wurde vorher natürlich gewogen und die Waage auf „NULL“ gesetzt. Was soll ich sagen … neuer PB …

Nach der Fotosession und der klassischen PB Dusche, durfte unser Freund wieder in die Fluten zurück. Wir brauchten erst mal einige Zeit um das Ganze zu verstehen. Es hat tatsächlich funktioniert!

Wir brachten die Rute später noch einmal aus und Till bekam im Morgengrauen erneut einen Lauf auf dem Spot. Diesmal konnten wir den Fisch leider nicht landen. Er stieg 20 m bevor wir bei ihm waren aus. Das Kraut ist einfach ein Faktor auf den man sich einstellen kann, aber leider niemals komplett besiegen wird.

Der Letzte Tag brach an und somit auch die Vorbereitungen für die letzte Nacht. Auf meinem Actionplatz bekam ich seit 2 Tagen keine Bisse mehr. Doch in der vorletzten Nacht hat es auch bei mir gescheppert. Mein Big Fish Spot brachte mir einen 15kg Spiegler.

Alles in allem hatten wir eine sehr gute Session. Wir hatten 13 bisse und konnten 9 Fische fangen. Der schwerste war mit 22 kg Tills Schuppi gefolgt von meinem 15 kg schweren Spiegler.

Wie wir später erfahren haben, waren wir drei die Einzigen, die überhaupt am See gefangen haben. Ich würde sagen, eine gute Taktik, eine gute Platzwahl und der Glaube an das, was man tut, belohnte uns am Ende mit dieser Ausbeute.

Ich möchte betonen, dass wir über den gesamten Trip nicht einen Partikel gefüttert haben. Wir haben ausschließlich Boilies gefüttert und als Hakenköder verwendet. Uns hat die Taktik von Keen Carp und der Bait Service jedenfalls voll überzeugt.

Teamwork ist Alles!

Ich bin mir sicher, dass auch ich dieses Jahr noch meinen PB an diesem See knacken werde und das bestimmt auch wieder mit der Taktik und den Ködern von Keen Carp. In diesem Sinne, glaubt an das was ihr tut und ihr werdet belohnt.

Bis bald,

Tillmann und Stefan!

P.S.: Bald starten die ersten Workshops und wir können es schon kaum erwarten an einem Teil zu nehmen.



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