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Mit dem Blei sieht man mehr

Sebastian Wirtz

Wieder einmal stand ein Trip nach Ungarn an, diesmal mit meinem Teamkollegen Martin. István hatte uns für ein paar Tage eingeladen, um mit weiteren Teamanglern und auch Kunden zu fischen. Wir hatten nicht viele Infos zur Hand, außer dass der See voll sein soll mit Weißfisch und Welsen. Erst als wir vor Ort das „Briefing“ erhalten haben, bekamen wir nähere Informationen. Der See, geformt wie ein Schlauch, ist größtenteils mit Schlamm bedeckt. Lediglich am gegenüberliegenden Ufer wurde es flacher und der Boden hart.

Nachdem wir unseren Platz gezogen hatten, legten wir die Regeln für die Woche fest. Wir einigten uns darauf, bis auf den ersten Tag nur morgens und abends jeweils eine Stunde zum Füttern aufs Wasser zu fahren und erst nach 3 Tagen mit dem Angeln zu beginnen.

Martin und Ich bauten in einer Bullenhitze das Camp auf, um dann so schnell wie möglich aufs Wasser zu kommen. Unser Bereich war 110 Meter breit und ca. 300 Meter lang. Ohne uns groß ab zu sprechen waren wir uns sofort einig, dass wir drei Areale haben werden. Einen kurzen, einen mittleren und einen weiten Bereich. Der Eine befischt die linke Seite, der andere die rechte Seite. Auf dem Wasser zeigte sich relativ schnell ein klares Bild. Die Tiefe war zwischen 3-4 Meter, lediglich am anderen Ufer ging es hoch bis 30 cm. Ein Echolot hätten wir eigentlich gar nicht gebraucht. Bei dieser Tiefe war es noch problemlos möglich den Grund mit der Taststange zu untersuchen. Zentimeter für Zentimeter ließ ich die Stange auf und ab. Mal sehr tiefer Schlamm, mal weniger tief und ab und an eine sehr kleine, aber härtere Stelle. Allerdings lagen diese Bereiche nicht weit entfernt voneinander, daher wollten wir mehr Zeit in den Bereich investieren. Die Stellen wirkten sehr klein und mal hier und da verteilt, allerdings zeigte sich bei den einzelnen Plätzen immer das gleiche Bild. Etwas daneben wurde der Schlamm immer tiefer. Dort wo der Schlamm tiefer wurde legten wir eine Boje ab. Nachdem wir gefühlte hundert Bojen im mittleren Bereich verteilt hatten, waren wir selber etwas erstaunt. Wir erkannten, dass es sich eigentlich um einen einzigen Platz handelte in Form einer Raute und zwar einen sehr großen. Der Platz durchzog beinahe den ganzen mittleren Bereich und sollte uns die Möglichkeit bieten eine Rute links und eine Rute 40 Meter rechts zu platzieren.

Wir fütterten also die ersten drei Tage alle drei Bereiche an. Kein Angeln, nur etwas Füttern und viel Quatschen. In drei Tagen wollten wir mit dem kurzen Bereich anfangen und den mittleren bzw. den weiten Bereich weiter Füttern ohne diese zu befischen. Die Fische sollten ein Areal haben, wo ein vielversprechender Platz mit Futter vorzufinden ist, aber vor allem eines…Ruhe!

Nun war endlich der Tag gekommen auf den wir gewartet haben, wir konnten endlich unsere Ruten in den ufernahen Bereich vor unseren Füßen ablegen. Allerdings war am nächsten Morgen die Ernüchterung größer als die Freude. Allem Anschein nach hatten die Fische den seit drei Tagen vorgefütterten Platz nicht besucht. Ich entschied mich daher auf den mittleren Bereich zu wechseln. Gegen Mittag dann mein erster Lauf, Rute hoch und ab ins Boot. Der Fisch zog sofort meterweit zur Seite. Ich machte etwas mehr Druck auf den Fisch und bekam nach ein paar Minuten die Quittung, die Rutenspitze sprang zurück und der Fisch war weg.

Gegen späten Nachmittag saßen Martin und ich vor unseren Zelten als dann erneut ein schöner Ton von einem der Bissanzeiger aufkam. Wieder ins Boot und diesmal weniger Druck machen. Der Fisch bewegte sich nicht sehr viel. Erst dachte ich, ich hätte auch diesen Fisch verloren und würde irgendwo am Boden hängen. Mit leicht zittrigen Knien versuchte ich ganz leicht etwas mehr Druck auszuüben. Auf einmal löste sich etwas vom Boden und nahm ordentlich Schnur von der Rolle. Der Fisch jedenfalls, der sorgte für die nächsten 15 Minuten für eine Menge Adrenalin im Blut.  Die Waage blieb bei 21.5 Kilo stehen.

In der Nacht wechselte dann noch das Wetter. Der Sturm wehte so stark, dass ich auf meiner Liege saß und mein Zelt festhielt. Auch die Temperaturen von beginnend 25°C, gingen in dieser Nacht runter bis zum Gefrierpunkt. Die Bedingungen wurden einfach so schlecht für uns, dass ich nicht mit weiteren Bissen in den nächsten zwei Tagen rechnete. Als der Sturm vorüber zog und wir die Ruten neu legten, entdeckte ich am Rückweg zum Ufer links neben mir, dass an einer Stelle immer wieder ein Fisch kurz an die Oberfläche kam. Später als der Wind sich etwas gelegt hatte, konnte ich wieder in diesem Bereich das Gründeln der Fische erkennen. Ich wollte mir am nächsten Tage den Platz etwas genauer ansehen. Zuvor passierte dann aber etwas womit ich bei den Bedingungen nicht gerechnet hatte: Ich nekam den nächsten Lauf. Wieder war es die Rute von dem mittleren Platz. Diesmal war es ein Fisch mit etwas über 17 Kilo. Nicht die Größe die ich unbedingt haben wollte, aber bei dem Wetterwechsel war ich über jeden Fisch glücklich. In der Nacht hatte ich dann noch zwei weitere Bisse auf demselben Platz, allerdings habe ich zweimal den Kampf verloren.

Da ich den weitesten Platz nun mehrere Tage unter Futter hatte, sollte dann jetzt dieser Bereich befischt werden. Auch hier wurden von mir, wie auch auf den anderen Stellen Boilies aus dem Big Water Mix gefüttert, die ich zuvor im Keen Carp Bait Service abrollen lies. Bevor ich aber meine Rute ablegen wollte, wollte ich mir ja nochmal den Platz ansehen, wo ich die Fische buckeln gesehen hatte. Ich fuhr den Bereich auf und ab um nach einer Besonderheit zu suchen. Mein Tastblei zeigte mir aber nur sehr schlammigen und extrem tiefen Boden an. Ich ließ das Blei immer wieder in einem Abstand von wenigen Zentimetern runter, bis ich merkte dass an einer Stelle ich keinen Boden berührte. Sofort lies ich an dem Punkt einen Marker runter. Keine 30 vielleicht 40 Zentimeter später hatte ich bei der gleichen Schnurlänge wieder Boden unter dem Blei, auch hier fiel erneut ein Marker runter. Ich hatte ein Loch oder eine Rinne gefunden. Nachdem das gleiche Bild sich auch neben den Markern zeigte, wusste ich das muss eine Rinne sein. In der Rinne war auch eine Schlammschicht, allerdings war sie hier nur vielleicht 10 Zentimeter tief. Ich fütterte die Stelle an und wollte sie am nächsten Tag für die letzte Nacht befischen.

Die anschließende Nacht und leider auch der Tag verliefen Ruhig. Es hatte die Tage soviel geregnet, dass wir fast nichts mehr an trockenen Klamotten hatten. Dazu ist es so kalt geworden, dass wir zum Teil zwei Hosen anziehen mussten. Die letzte Nacht sollte aber wieder milder werden und ich legte meine Hoffnung auf die letzten Stunden. Gegen Mitternacht kamen die ersten einzelnen Pieper, aus den einzelnen Piepern wurde dann ein Dauerton. Die Rute aus dem hinteren Bereich lief ab. Mit Vollgas ging es in Richtung Fisch. Nachdem diesmal erfolgreichen Drill hatte ich wieder einen schönen Schuppenkarpfen vor mir liegen. Diesmal blieb die Waage bei 18.9 Kilo stehen. Kaum waren wir wieder im Zelt lief die nächste Rute ab. Das Ergebnis war ein Schuppie mit exakt 19.8 Kilo.

Wir hatten keine leichten Bedingungen, haben auch selber im Drill Fehler gemacht, wodurch wir auch einige Fische verloren haben. Allerdings war dieser Trip enorm lehrreich für uns bzw. für mich. Wieder einmal zeigte sich, dass gerade das feine abtasten mit dem Blei Stellen hervorbringt, die man auf einem Echolot niemals erkennen würde. Hätte ich nur ein Echolot benutzt, oder hätte ich einfach mal hier und da das Blei heruntergelassen, hätte ich die Stellen niemals entdeckt.

Haut was raus!

Sebastian Wirtz

 



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