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An unbekannten Ufern

Victor Fröschl

In diesem Artikel möchte ich anhand einer Session an einem mir damals unbekannten Gewässer veranschaulichen, was man alles im Vorfeld beachten sollte und anhand meiner eigenen Fehler zeigen, welche Kleinigkeiten über Erfolg und Misserfolg entscheiden können.

Wer jetzt auf ein Patent-Rezept hofft, von dem die großen Karpfen einfach in den Kescher springen, der sollte den Artikel gar nicht erst weiter lesen. Wer jedoch erfahren möchte, welche (kritischen) Gedanken einen auf dem Weg zu einem besseren Karpfenangler weiter bringen können, der wird sicher den ein oder anderen hilfreichen Gedankengang mitnehmen können.

Endes September des letzten Jahres stand wieder eine gemeinsame Session mit unserem Teamleader István Orbán bevor. Diesmal begleitete uns auch mein Teamkollege Josi. Mit István hatte ich bereits schon einmal zusammen geangelt, doch Josi kannte ich bis dato nur von einem Team-Meeting. Meine Vorfreude auf die gemeinsame Session war groß, denn Josi wird im Team als wahres „Karpfenmagnet“ bezeichnet. Ich hoffte also wieder auf eine sehr lehrreiche Session.

Das Gewässer

Das auserwählte Gewässer war diesmal ein Baggersee mit fast 50 ha Wasserfläche, an dem bis dato keiner von uns geangelt hatte und von dem wir nur wenige Informationen hatten. Wir wussten lediglich, dass er ein paar gute Fische beherbergt u.a. auch Fische über 20 kg. Sie waren unsere Zielgruppe.

Die Vorbereitung

Wenn wir an einem unbekannten Gewässer angeln, kann es nicht schaden sich auf jede Eventualität vor zu bereiten, um unangenehme Überraschungen am Ufer, weit von Zuhause entfernt, zu vermeiden. Das können ganz banale Sachen sein, wegen denen unser Trip buchstäblich ins Wasser fallen kann. Wir brauchen gar nicht weit gehen: es war kein besonders angenehmes Gefühl im strömenden Regen mit einem halb aufgeblasenem Schlauchboot vor meinen Füßen damit konfrontiert zu werden, dass mein neues Schlauchboot mit dem falschen Aluboden geliefert worden ist. Von dem Gelächter der Angelkollegen ganz zu schweigen, die sich köstlich über meinen „Anfängerfehler“ amüsiert haben.

Zum Glück hatten wir noch zwei weitere Boote dabei und so konnten wir wie geplant mit der Location beginnen. Der Hersteller schickte mir dann im Verlauf der Woche per Expressversand einen passenden Boden und so bin ich noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen und konnte nach zwei Tagen dann endlich mit meinem eigenen Boot aufs Wasser. Wenn ich alleine gewesen wäre, hätte ich ganz schön dumm aus der Wäsche gekuckt.

Location

Bevor wir uns für einen konreten Angelplatz entschieden, haben wir erstmal ein größeres Areal mit dem Echolot abgefahren um einen ersten Eindruck der Gewässerstruktur zu bekommen.

Danach entschieden wir uns für drei Stellen am Ufer und fingen an, diese Bereiche etwas genauer unter die Lupe zu nehmen, um ein detallierteres Bild zu erhalten. Es war keine angenehme Arbeit bei kaltem Wind und strömendem Regen über acht Stunden lang im Boot zu sitzen, aber diese Arbeit ist unerlässlich, wenn wir erfolgreich sein möchten. Schließlich hatten wir ein paar vielversprechende Stellen gefunden und markiert. Am Ende des Tages war ich Nass bis auf die Knochen und viel tot Müde ins Bett.

Taktik und Köderwahl

Wie Eingangs erwähnt, war unser Ziel der Fang der besseren Fische. Dementsprechend wählten wir unsere Taktik und Köder aus.

Das Rückgrat unserer Taktik –wie schon so oft- bildete das drei Tägige Vorfüttern der auserwählten Plätze. Bei der Köderwahl setzten wir alles auf eine Karte und griffen auf den selektivsten Mix der Keen Carp Produktpalette, den Big Water Mix in 24 mm zurück. Immer mehr Angler konnten dank diesem Boilie schon kapitale Fänge erziehlen und das ohne lästige Beifänge wie Brassen oder kleine Karpfen.

Die ersten drei Tage ohne Angeln gingen schnell vorüber. Im Camp gab es jeden Tag genug zu tun und so hatten wir genug Zeit alles gründlich vor zu bereiten. Des weiteren hatten wir mit Hinblick auf zukünftige Sessions angefangen einen 1000 ha großen See zu erkunden. Und zu guter letzt, kam auch der gastronomische Hochgenuss nicht zu kurz. :)

Die „Puddingprobe“

Am vierten Tag legte Josi als erster in den Mittagsstunden seine Ruten auf die vorgefütterten Plätze. Auf den ersten Biss musste er auch nicht lange warten. Nach bereits einer Stunde hatte er den ersten Fisch auf der Matte. Es war ein Spiegler von 22,50 kg. Kein schlechter Anfang-dachten wir uns...

Bis wir mit István am späten Nachmittag die Ruten legten, hatte Josi bereits vier Fische.

Mein erster Biss kam erst nach Einbruch der Dunkelheit. Das Ergebnis war ein makelloser 16,80 kg schwerer Spiegler. Auch István bekam mitten in der Nacht noch seinen ersten Biss.

Wiederkehrender Gast

Am nächsten Tag bekam Josi wieder einen Biss in den Mittagsstunden. An der Krümmung der Rute konnte man schon erahnen, dass er es wieder mit einem besseren Fisch zu tun hatte. Schließlich konnte er den Fisch sicher über den Kescherrand führen. Am Ufer begutachteten wir den Inhalt des Keschers. Im Netz befand sich wieder ein mächtiger Spiegler. Und was für einer: vom selben Spot, auf den gleichen Köder, zur selben Zeit, nur 24 Stunden später, konnte Josi den gleichen Spiegler noch einmal fangen. Um dem Fisch das erneute Photographieren zu ersparen, machten wir lediglich ein kurzes Video im Wasser, von dem ich einen Screenshot gemacht habe.

Die zweite Halbzeit

Auch in der zweiten Hälfte unseres Trips konnten wir Konstant Fische fangen. Nach den ersten paar Tagen konnten wir bereits ziemlich genau den Fressrhytmus der Fische ausmachen. Man konnte schon fast die Uhr danach stellen, so planmäßig kamen die Bisse. Von links angefangen, war Josi als erstes an der Reihe und fing den Großteil seiner Fische ab den frühen Morgenstunden bis in die frühen Nachmittagstunden.

Ab Nachmittag bis etwa Mitternacht war ich an der Reihe und schließlich kam István ab der zweiten Hälfte der Nacht bis in die frühen Morgenstunden an die Reihe-zu seiner Großen Freude.

Die Evaluierung des Trips

Alles in allem hatten wir eine ganz erfolgreiche Session hinter uns und das in einer traumhaften Umgebung, aber rückblickend betrachtet, war das für mich persönlich gar nicht das Wichtigste.

Wie Eingangs in meinem Artikel schon beschrieben, war das oberste Ziel auch jetzt, etwas aus der Session zu lernen, was ich an späteren Ansitzen wieder verwenden kann. Fangen wir also von vorne an:

  • Ich denke über die Vorbereitung habe ich schon hinlänglich am Anfang des Artikel geschrieben.
     
  • Vorsichtig mit den Informationen von Dritten! Am Ufer kamen auch Angler vorbei, die uns schon fast davon abraten wollten, hier zu angeln, weil uns die vielen kleinen Karpfen, die im letzten Jahr besetzt worden sind, eh keine Ruhe lassen würden. Seinem gut gemeinten Rat verlieh er noch ein bisschen Nachdruck, in dem er auf unsere Nachbarn verwies, die in der letzten Nacht vor unserer Ankunft 10 oder mehr kleine Karpfen fingen. Wenn ich nicht über das Wissen vom Workshop verfügen würde und nicht wüsste, wie ich mit der Situation umgehen soll, hätte mich diese Nachricht höchstwahrscheinlich verunsichert.
     

  • Bei einem geplanten Ansitz an einem unbekannten Gewässer kann es nicht schaden, sich auch in punkto Köderwahl etwas vor zu bereiten. Da bei unserem Ansitz das Ziel das selektive Angeln war, trafen wir auch unsere Köderwahl dementsprechend. Das warme Wetter im September erleichterte uns zwar die Köderwahl, dennoch hatte ich mehrere verschiedene Köder dabei, um im Fall der Fälle reagieren zu können und eine Alternative zu haben.

  • Die Taktik erfüllte wieder mal alle unsere Erwartungen und wir fingen konstant Fische von den vorgefütterten Plätzen. Was ich hier noch erwähnen möchte, ist das Durchschnittsgewicht der Fische. Die profezeite Invasion der kleinen Karpfen blieb selbstverständlich aus und wir konnten auch diesmal die besseren Fische selektieren. Neben einem 20+ Fisch konnten wir mehrere Fische über 15 kg fangen. Unter den Fischen war insgesamt nur ein Schuppi unter 10 kg. Ich denke das ist kein schlechtes Ergebnis für einen esrten Trip an einem unbekannten Gewässer.
     
  • Die Bedeutung der Platzwahl wurde mir wieder einmal bewusst. István zeigte mir (wieder) an seinem eigenen Beispiel, wie wichtig eine genaue und gewissenhafte Location ist. Nach seinem ersten Fisch legte er seine Rute zwei Meter neben den ursprünglichen Platz, weil er wissen wollte, ob er auch da einen Biss bekommt. Dieses Manöver resultierte in 36 Stunden ohne Biss. Als er seine Montage wieder auf den ursprünglichen Platz ablegte, kam der Biss wieder nach Plan.

  • Auf meine eigenen Fehler bin ich schon bezüglich der Vorbereitung etwas ausführlicher eingegangen. Für mich ist die emotionslose Reflexion meiner Fehler unerlässlich, um mich weiter zu entwickeln. Das war auch diesmal nicht anders. Bei dem abtasten von einem meiner Plätze war ich nicht präzise genug und bemerkte das Bodenkraut an meinem Spot nicht, in dem sich meine Montage verfing, was in 36 Stunden ohne Biss resultierte. Für die Lösung des Problems benötigte ich lediglich eine Krautharke und 3-4 Stunden harte Arbeit.
     

  • Die gemeinsame Session mit István und Josi war aus mehreren Aspekten sehr hilfreich. Hier möchte ich jetzt einen Aspekt besonders hervorheben, nämlich eine Referenz zu anderen Anglern zu haben. Wenn wir mit erfahreneren Anglern als wir selbst angeln gehen, wie das auch bei uns der Fall war und mit den gleichen Ködern und der gleichen Taktik angeln, können wir eine sehr gute Referenz bekommen, wo wir eigentlich stehen. Rückblickend würde ich viele Kleinigkeiten heute anders machen, aber wie Josi zu sagen pflegt:“Um diese Kleinigkeiten zu erlernen, muss man mehrere Jahrzente am Wasser verbringen.“

Ich hoffe dass diejenigen, die meinen Artikel bis hierhin gelesen haben, den ein oder anderen nützlichen Gedanken für sich entdecken konnten und auf ihre nächsten Ansitze aus einer anderen Perspektive zurückblicken werden.

Ich wünsche allen am Wasser viel Erfolg!

Victor Fröschl



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