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Neue Wege

Markus Trigler

Als ursprünglicher Salmoniden-Angler, habe ich erst vor wenigen Jahren die Liebe zu unseren gelben Freunden entdeckt. Aus dieser Liebe ist im Laufe der Jahre eine Sucht geworden. Aufgrund meiner beruflichen Pflichten und meiner noch kleinen Tochter, komme ich vorerst max. 2 Wochen im Jahr ans Wasser, um meine praktischen Kenntnisse weiter zu entwickeln. Daher war ich in den vergangen Zeit viel in den sozialen Medien unterwegs, um wenigstens mein theoretisches Wissen zu verbessern. Leider musste ich feststellen, dass die zahlreichen Informationen im Netz mindestens zu 90% Schrott beinhalten und zum größten Teil unbrauchbar sind. Zusätzlich zu der vielen Zeit die man vergeudet. Das Problem für uns echte Karpfenfreaks ist meiner Meinung nach, aus dem ganzen Müll die wirklich guten und vor allem ehrlichen Informationen zu filtern. Folgend versuche ich seit kurzem eher wieder meine Kontakte zu Angelkollegen aufzufrischen und neue Wege zu gehen.

So ein neuer Weg begegnete mir Ende 2019, als ich eine meiner wenigen Urlaubswochen im Ausland verbrachte. An meinem 60 ha großen Lieblingssee in Italien, lernte ich 3 echt tolle und erfahrene Karpfenangler aus Deutschland kennen. Da das Areal sehr groß angelegt ist und nur über wenig Angelstellen verfügt, habe ich mich Ende der Woche entschlossen, meine Ruten ab dem späten Nachmittag aus dem Wasser zu nehmen, um meine neuen Freunde besser kennen zu lernen. Mit österreichischem Bier überraschte ich die Jungs und es folgten tolle Geschichten von beiden Seiten. Mein Hauptthema war nicht das Tackle, da bin ich bestens aufgestelltJ, sondern eigentlich die letzten Meter Schnur, das Rig und das Verhalten der Fische. Aus diesem Gespräch heraus erkannte ich, dass ich eigentlich keine Ahnung von der Anatomie der Karpfen hatte. Ich bekam dann von einem der Jungs den entscheidenden Tipp, an einem Workshop von Keen Carp Teil zu nehmen und so nahm alles seinen Lauf.

Zusammen mit einem Angelkollegen buchten wir dann den nächst möglichen Workshop-Termin in unserer Nähe. Der Tag X war endlich da und weil ich generell offen für neue Ansätze bin, war ich gespannt was in den 4 Stunden Workshop passieren würde. Und es kam alles anders als gedacht. Als von den Medien extrem beeinflusster Angler kann man es am besten wie folgt beschreiben: Es war als ob man das voll gedachte Glas komplett ausleert und wieder neu auffüllt. Einfach toll. In den schlussendlich fast 6 Stunden bekamen wir vom Grundverständnis der Karpfen bis zu den effektivsten Futtertaktiken so ziemlich alles vermittelt und es blieben keine Fragen offen (und das waren echt viele). Zum erfolgreichen Fischen gibt es sicher mehrere Wege ans erwünschte Ziel zu kommen und die Jungs von Keen Carp sind auf alle Fälle einer davon. Nach dem theoretisch Erlernten konnte ich es kaum erwarten bis der nächste Trip ansteht. Diesbezüglich habe ich mich Aufgrund der neuen Erkenntnisse dafür entschieden, selektiver auf Großkarpfen zu Fischen. Erstens: um vermehrt zu meiner erwünschten Ruhe am Wasser zu kommen und Zweitens: bin ich kein Freund von zahlreichen Fängen vieler Kleinkarpfen, wo man im Folge dessen den halben Tag mit dem Boot die Ruten neu auslegt.

Im Frühjahr 2020 war es dann soweit. Der eigentlich geplante Italientrip viel Aufgrund der aktuellen Corona-Situation leider aus und ich musste nach einer Alternative in Österreich suchen. Nachdem ich an einem der bekanntesten Paylakes einen guten Platz reservieren konnte, nahm ich Kontakt mit Csaba vom Keen Carp Bait Service auf, um die Situation abzusprechen. Ich bekam innerhalb kurzer Zeit eine E-Mail mit den besprochenen Baits im Warenkorb und brauchte nur noch zu bestellen. Endlich war es soweit. Ich stand an diesem tollen See, den ich ohnehin schon seit Jahren befischen wollte, und erkundete die Plätze. Da es sich bei meiner Wahl um ein eher schwieriges Gewässer handelte und bei kleiner Wasserfläche permanent 30 Ruten von Anglern aus ganz Europa auf Großfische lauern, half die Laichzeit der Fische nicht wirklich meine Stimmung zu heben. Ich nahm mein Handy und telefonierte noch vor dem Ausladen mit Csaba um die Taktik bzw. die Futtermenge zu besprechen. Das im Workshop erlernte wollte ich bestmöglich umsetzten. Ich legte Aufgrund der Laichzeit verschiedene Futterplätzte mit Eiweiß- und Kohlehydrathaltigen Boilies an. Dabei fiel die Wahl von Csaba und mir auf den 50/50 Mix und den Mixed Birdfood Mix, jeweils in 20 mm. Da ich den See nur aus Berichten kannte und keiner der Aufsichtsfischer mir empfehlen konnte im welchen Bereich ich fischen sollte, entschied ich mich bei den Spots 3 unterschiedliche Bereiche mit jeder Boiliesorte zu füttern, wobei ich die Plätze mit dem 50/50 Mix sofort befischte. Eine Rute wurde am Uferrand zu den Seerosen gelegt, eine hab ich im Flachwasser platziert und als Letztes noch eine Rute im tieferen Teil des Sees.

Es brauchte einige Zeit die notwendige Ruhe auf den Platz zu bringen, da mein Vorgänger laut Erzählungen viel zu große Futtermengen verwendet hat und die Fische eher mit Boilies erschlagen wollte anstatt sie „anzulocken“. Meine neuen Platznachbarn waren leider ähnliche Charaktere, aber dazu später noch mehr. Nachdem ich nach dem ganzen Wirbel mit Anreise, noch nie gefischter Taktik und dem Aufbau endlich zu meiner ersehnten Ruhephase gekommen war, passierte es aber schon. Die Rute im tiefen Bereich des Sees lief ohne Vorwarnung mit einem nicht endenden Dauerton ab. Ich stieg sofort ins Boot und merkte nach kurzem Drill, dass ich einen meiner 20+ Kilo Zielfische am Haken hatte. Ich fischte noch keine 48 Stunden und konnte nach 40 Minuten Drill in der Mittagszeit, und einer unfreiwilligen Bootsfahrt über den halben See, den wunderschönen Spiegler endlich Keschern. Die Waage zeigte 23,10 Kilo an und ich war Aufgrund der Schönheit von diesem Exemplar total von der Rolle.

Danach wurde es wieder ein wenig ruhiger. Ich konnte zwar ufernah kleinere Karpfen bis 11,20 Kilo fangen, freute mich aber schon auf das Umlegen der Ruten auf die vorgefütterten Stellen, die ich mit dem Mixed Birdfood Mix Boilies vorbereitet hatte. Meine größte Sorge war die allgemeine Situation am See, da von den ganzen belegten Plätzen nur ich und mein Gegenüber bis dahin überhaupt etwas fangen konnten. Meine zwei Platznachbarn waren seit Tagen ohne Fisch. Nachdem bei einem der Gespräche die Worte "ein Karpfen ist sowieso ein Schwein und frisst eh jeden Scheiß" fielen, wusste ich auch warum die Kollegen fischlos waren. Vor allem nachdem aus Langeweile mittels Wurfrohr Kiloweise Boilies ohne Ziel und Zweck in den See geworfen wurden. Es kehrte aber wieder Ruhe ein und ich legte nach der mit Csaba besprochenen Vorlaufzeit meine Ruten auf die vorgefütterten Plätze.

Ich hoffte, dass die großen Karpfen die Futterplätze aufsuchen werden und so war es auch. Kurz nach Mitternacht rannte die Rute aus dem tieferen Seeteil nochmals ab. Es dauerte ein wenig, bis ich aus dem Zelt kam, die Schuhe angezogen hatte und inkl. Schwimmweste im Boot stand, aber ich wurde belohnt. Nach einem kurzem Drill konnte ich erneut einen 21,80 Kilo schweren Schuppi in den Kescher befördern.

Bevor ich jedoch die Rute wieder neu auslegen konnte, hörte ich schon wieder den Bissanzeiger. Diesmal war die ufernahe Rute dran und es folgte ein langer Drill. Nur kurz nach meinem Mitternachtsfisch durfte ich erneut einen 21,60 Kilo schweren Spiegler in meinem Kescher begrüßen.

Nach der ganzen nächtlichen Aufregung, legte ich schnell wieder die Ruten aus und genoss den warmen Schlafsack im beheizten Bivvy.

Etwas geplagt von den „Strapazen“ der Nacht, entschied ich mich dafür, den Vormittag gemütlich im Zelt zu verbringen und erst später auf zu stehen. Als ich dann Mittags mein Frühstück nachholte, meldete sich wieder die Rute aus der Tiefe. Gut ausgeschlafen, hüpfte ich in mein Schlauchboot und fuhr Mal wieder eine Runde Karussell. Nach 30 Minuten Drillzeit und den ungläubigen Gesichtern meiner Platznachbarn konnte ich wieder einen 18,50 Kilo Spiegler in den Händen halten.

Nach dem erneuten Auslegen der Rute und der darauf folgenden Erzählung der Ereignisse beschlossen meine Platznachbarn nach 5 erfolglosen Tagen die Zelte abzubrechen und nach Hause zu fahren. Meinen letzten Tag konnte ich dann noch in vollen Zügen auskosten und redete noch mit einigen Einheimischen über die benachbarte Seeanlage, für zukünftige Projekte. Aufgrund der kommenden schlechten Wetterfront beschloss ich ebenfalls früher zu packen. Ich war sehr zufrieden mit dem Verlauf der Woche. Drei Fische über 20 kg in einer Woche hatte ich bis jetzt noch nie gefangen.

Alles in Allem bin ich froh mit Keen Carp einen ehrlichen und kompetenten Ansprechpartner gefunden zu haben, der ebenfalls wie ich auf Qualität setzt. Das Geheimnis liegt meiner Meinung nach in der langjährigen Erfahrung in der Köderherstellung in Kombination mit dem fundierten Hintergrundwissen über unsere Fischfreunde und der dazugehörigen Taktik. Alle die das lesen und es ausprobieren wollen, empfehle ich den Keen Carp Bait Service zu nutzen und nicht nur die Boilies zu kaufen und die gewohnte Taktik zu fischen. Auch wenn viele dabei ihre Wohlfühlzone verlassen müssen, führt nur das Gesamtkonzept zum Erfolg.

Wünsche euch noch tolle Fische!

Markus



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