« zurück zu Blogs

Das PUZZLE

Michael Gstraunthaler

Sicher kennt jeder das Gefühl, wenn irgendetwas noch nicht abgeschlossen ist. Also zog es mich noch einmal an diesen See, an dem ich schon zwei Mal in den letzten Jahren angelte. Da für diese Zeit nur mehr ein Bereich buchbar war, nahm ich diesen gerne an. Ich sehe es an Paylakes als zusätzliche Herausforderung an, wenn man mit dem Platz zurechtkommen muss, den man zur Verfügung hat. Sicher wären mir zu bestimmten Zeiten im Jahr bestimmte Gewässerstrukturen lieber, aber bei einer Gewässerstruktur, die einer Badewanne gleicht, ist mir der Platz relativ egal. Meine Teamkollegen, Tomi und Oko, wollten zur gleichen Zeit hier angeln, aber aufgrund der Corona-Krise durften sie ihr Land nicht verlassen. Trotz der sprachlichen Barrieren, hatte ich mich schon sehr auf eine Woche mit viel Erfahrungsaustausch gefreut. Aber so durfte ich erstmal den See fast alleine beangeln.

Da ich schon die Jahre zuvor auf dieser Seeseite fischte, wusste ich ungefähr die Bereiche, wo ich meine Montagen ablegen wollte. Dazu suchte ich mir alle bekannten Hotspots und markierte sie mit Stangenbojen. Das waren nämlich genau die Bereiche des Sees, wo ich SICHER NICHT ablegen wollte. Auch wenn schon lange kein Fisch mehr im Gewässer gehakt wurde, dachte ich mir trotzdem, dass ich die Ausnahmefische eher in den wenig befischten Bereichen des Sees fangen kann. Also dort, wo die meisten Angler ihre Montagen nur ungern ablegen. Dazu muss man allerdings 100% Vertrauen in seine Köder haben!

Zusammen mit meinem Angelpartner und Teamkollegen Csaba, besprachen wir schon Wochen vorher meine Köderwahl. Es war Ende April und ich wollte heuer bewusst vor der Laichzeit angeln, um die Fische mit Höchstgewicht zu erwischen. Also viel unsere Wahl natürlich in erster Linie auf den 50/50 Mix, der genau für diese Jahreszeit entwickelt wurde. Als zweite Waffe kam der Hot Fish &Gammarus Mix zum Einsatz, da im Gewässer die Weissfischrate sehr gering ist. Nur die Krebse machen den See nicht gerade einfach, deshalb trocknete ich die 50/50 Boilies in 20mm, die ich in Härtegrad Level 2 bestellt hatte, noch einige Zeit nach, damit sie noch härter wurden. Die Hot Fish&Gammarus Kugeln hatte ich gesalzen in Härtegrad Level 1 zur Verfügung. Dies war mehr ein Experiment, da die Krebse nicht in jedem Gewässerbereich gleich aktiv sind. Dort wollte ich mit diesen extrem attraktiven und verhältnismäßig weichen Ködern antreten.

Da sich eine Gewitterfront schnell näherte, musste ich mich beeilen um meine Montagen noch vor dem Regen ins Wasser zu bekommen. Danach verzog ich mich ins Zelt. Die erste Nacht verlief ruhig was die Bisse betraf. Aber die Abkühlung nach den letzten warmen Tagen machte mich sehr zuversichtlich. Irgendwie hatte ich eine angenehme Ruhe in mir. Ich war mir sehr sicher, alles gut gemacht zu haben. Die Köder, die Plätze, meine Rigs, meine Einstellung. Alles war zu 100% in Ordnung.

So bekam ich kurz nach Mittag den ersten Lauf auf den 50/50 Boilie, aus einem Bereich den viele Angler als „tote Zone“ bezeichnen würden. Ich spürte bald, dass es ein besserer Fisch sein musste, da ich ihn kaum vom Grund hochpumpen konnte. Als ich ihn zum ersten Mal sah, wusste ich warum wir immer wieder in unseren Workshops betonen, dass alles perfekt sein muss. Bei so großen Fischen, darf man sich keine Fehler erlauben. Und der war sehr groß! Ein Schuppi mit knapp unter 30kg glitt sicher in meinen Kescher. Ich war extrem happy. PB eingestellt!

Ich war mir sicher, dass meine Platzwahl richtig war, und legte so schnell wie möglich wieder aus. Keine 2 Stunden später, genau auf der gleichen Rute, wieder ein Vollrun. Wieder Ü20, ein richtiger Athlet im Vergleich zur vorherigen, vollbauchigen Dame. Gleicher Köder, gleicher Spot! Perfekt!

Ich war mit diesem Tag schon mehr als zufrieden, als auch noch die ufernahe Rute mit dem Hot Fish&Gammarus Boilie am Haar einen Biss brachte. Wieder spürte ich extreme Gegenwehr und der Fisch zog mich über den halben See. Wieder durfte ich einen Ü25 keschern, diesmal eine richtige Perle. Nach den ersten zwei großen Fischen, konnte ich den Koloss fast nicht mehr vor die Kamera halten. Einfach geil!

Mit meiner Taktik hatte ich es ausschließlich auf die Ausnahmefische des Gewässers abgesehen. Hot Spots meiden, wenig Futter genau dort, wo die meisten Angler gar keine fressenden Fische vermuten. Die Taktik ging voll auf. In 5 Stunden 3 kapitale Großfische, das war schon was. Und ich hatte noch 4 Tage und 4 Nächte vor mir.

Am nächsten Tag verlor ich leider einen weiteren Großen. In der Tiefe konnte ich den breiten Rücken genau erkennen. Shit happens! Aber ich blieb ruhig und fischte unbeirrt weiter. Es war eine der Sessions, wo man intuitiv alles richtig macht. Und so lief es am nächsten Tag weiter. Schon kurz nach Mittag durfte ich einen Spiegelkarpfen knapp unter 20kg fotografieren und als am späten Nachmittag an der Uferrute der nächste Zeiler knapp unter 20 kg abging, konnte ich es kaum glauben. Ich kannte den Fisch schon von Fotos; einfach perfekt gezeichnet und ein absoluter Ausnahmefisch. Genau deshalb war ich hier!

Und wenn es einmal läuft, dann läuft es: schon am frühen Morgen des nächsten Tages, ein weiterer Fisch mit 20 kg. Wieder ein praller Schuppi.

Den  Abschluß machte dann noch ein 23kg schwerer Spiegler, den ich am letzten Abend, kurz vor der Dunkelheit gemeinsam mit meinem Vater drillte und kescherte. Ein unvergessliches Erlebnis, da uns der Fisch im Kraut und zwischen den anderen Schnüren alles abverlangte! Das war Kampf pur!

So konnte ich in 6 Tagen 7 Fische, davon 2 über 25 kg, 3 über 20 kg und 2 knapp unter 20 kg fangen.

Nach den letzten Wochen ohne Angeldruck am Gewässer werden jetzt viele sicher sagen: „Kein Wunder!“, aber es kamen immer mehr Angler an das Gewässer. Alle mit der gleichen Taktik: Hot Spots suchen, das heißt harten Boden, Tigernüsse füttern, weil sie Angst haben, dass nichts anderes den Krebsattacken standhält. Insgesamt konnten alle anderen Anglern zusammen, in der ganzen Woche 2 Fische fangen, während bei mir täglich Fische ans Band gingen

Das ist wie ein Puzzle, was man Teil für Teil zusammenfügt, bis ein Gesamtbild entsteht.

Ich durfte derjenige sein, der das große Finale erlebte. Und ich weiß nicht, was in dieser Woche alles passiert wäre, hätten Tomi und Oko unsere Teamangler aus Ungarn, die Reise nach Österreich antreten können.

Ich möchte mich an dieser Stelle besonders bei Csaba Ronto für die absolut richtige Köderempfehlung und bei meinem Vater für einen weiteren, unvergesslichen Angeltrip bedanken!

Michael Gstraunthaler
Keen Carp Team Austria



Wenn Sie es mögen, folgen Sie unserer Facebook-Seite!

Abonnieren Sie unseren Newsletter!