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Weniger ist mehr

Artur Lucinkiewicz

Einige Jahre ist es her, dass ich an diesem Gewässer das letzte Mal aktiv war. Mittlerweile hat sich dort so einiges getan. Leider im negativen Sinne. Es herrscht ein hoher Angeldruck und es wird kiloweise Futter ins Wasser gekippt in der Hoffnung, dass die ganz großen Exemplare ans Band gehen. Einige sitzen schon das ganze Jahr über dort, andere kommen und gehen, weil sie die Hoffnung bereits aufgegeben haben. Das Gewässer wird von den Anglern als „nicht einfach“ eingestuft, aber das ist ein anderes Thema.

Ich hatte zumindest ein paar brauchbare Informationen, mit denen ich was anfangen konnte, um für mich die passende Taktik zu auszuwählen. Die Platzwahl war nicht allzu schwer, da eh nur ein Platz frei war, wo niemand so wirklich angeln wollte. Dies nutze ich als Vorteil, denn so hatte ich schon Mal einen Bereich, wo mich niemand störte. Freitag nach der Arbeit sollte es losgehen. Ich beschloss ab Sonntag mit dem füttern zu beginnen, also fünf Tage vor meiner geplanten Session. Da es erst Anfang September war und Temperaturen noch relativ hoch waren, entschied ich mich die Plätze mit Boilies aus dem Big Water Mix in 24 mm Durchmesser und in Härtegrad 2 zu präparieren. Pro Spot fütterte ich lediglich 2-3 händevoll. Da das Gewässer stark verkrautet ist, angelten mittlerweile alle in Ufer nähe. Ich wählte meine Plätze weiter draußen, in Richtung Seemitte, aber trotzdem noch in einer Entfernung, aus der man eine reale Chance hatte, die Fische sicher zu landen. Die Rutenanzahl beschränke ich auf zwei Stück, statt auf die erlaubten drei.

Weniger Schnüre sind ein plus Punkt

WARUM wählte ich diese Vorgehensweise!?

Ich wählte einen Bereich, in dem niemand angelte, was gut war, da dort weniger Angeldruck und Ruhe herrschte. Um die Fische auf meine Plätze positiv zu konditionieren, fütterte ich die Stellen vor. Wer schon Mal auf unseren Workshops war, wird wissen, dass die Karpfen ihre Fressgewonheiten drastisch ändern können, wenn hoher Angeldruck herrscht. Es kann sogar so weit gehen, dass sie gar nichts mehr zu sich nehmen. Auch das Sozialverhalten der Karpfen ändert sich. Ich wollte nach Möglichkeit nur die Karpfen der oberen Gewichtsklasse am Platz haben, somit reduzierte ich die Futtermenge auf wenige händevoll Boilies pro Tag und Spot. Um den Angeldruck zu meiden, mussten die Futterplätze weit abseits der Anderen sein. Auch weniger Schnüre im Wasser sind ein plus Punkt. Darum kamen nur zwei Ruten zum Einsatz, statt den erlaubten drei zum Einsatz.

Ein kleiner, konzentrierter Futterplatz

Freitag ging es endlich los. Die Montagen brachte ich mittels eines Futterbootes punktgenau auf die Spots aus. Da bin ich sehr penibel, weil meine Futterstellen sehr klein gehalten sind und bei der kleinen Menge an Boilies möchte ich diese möglichst Konzentriert auf der Stelle haben. Ein kleiner PVA-Strumpf mit ein paar Boilies als Beifutter, reicht völlig aus.

Ein wenig Beifutter

Nachmittags, kurz nach drei, kam auch schon der erste Biss. Ich nahm die Rute auf, merkte paar Kopfschläge und schon hing der Fisch im Kraut fest. Ich blieb ganz relaxt, jetzt die Rute Reißen oder zu starken Druck ausüben würde nur den Verlust des Fisches bewirken. Mit vorsichtigem Druck hielt ich die Rute fest. Nach etwa 10 Minuten merkte ich, dass sich das Kraut anfing zu lösen. Meter für Meter kam das Krautbündel auf mich zu. YES! Der Karpfen ist noch dran. Schnell in den Kescher mit ihm und ab auf die Matte. Der Spiegler hatte genau 18,2 kg, was ein guter Einstieg war - das freute mich sehr. Die nächsten 36 Stunden tat sich nichts mehr. Viele würden nach 24 Stunden ihre Montagen kontrollieren und einen frischen Köder ans Haar binden. Das tat ich nicht. Erstens, wusste ich, dass mein Köder ohne Probleme 48 Stunden am Haar halten würde, zweitens, wollte ich keine unnötige Unruhe auf meinem Platz bringen und zu guter Letzt hatte ich vertrauen in das, was ich machte. Vertrauen zu haben in das, was man tut, ist ein sehr wichtiger Faktor, wenn man selektiv  angeln möchte.

Ein guter Einstig mit 18,2 kg

Sonntag in den Morgenstunden lief auch endlich meine andere Rute ab. Schnell in die Wathose und ab zur Rute. Hier war das Spielchen genau wie beim ersten Fisch. Der kleine Unterschied war allerdings, dass die Kopfschläge deutlich härter waren! Ganz ruhig wartete ich wieder bis sich das Kraut löste. Nach einer gefühlten Ewigkeit, war der Riesen Krautteppich endlich vor mir und ich sah nur einen kleinen Teil vom Fisch. Diesmal war es so viel Kraut, das ich alles samt dem Fisch in den Kescher packen musste. Das war nicht so einfach, kann ich euch sagen! Im Kescher kämpfte ich mich durch das Kraut. Dann sah ich die Massive Flanke des Schuppis und die markante stelle am Kopf. Das ist ER!!! Es war der größte Karpfen des Gewässers. Auf der Waage brachte er genau 29,2kg.

Der Seekönig mit 29,2kg

Wenn man bedenkt, dass ich weniger als 3 kg Boilies benötigt habe, um erfolgreich selektiv zu angeln, können wir mit Recht von einer sehr effektiven und effizienten Taktik sprechen, wenn sie mit dem richtigen Köder angewendet wird! Die 300 g Futtermenge, die wir bei Keen Carp angeben, ist als Richtwert zu verstehen. Je nach Situation und Gegebenheiten, kann diese Menge angepasst werden. Bei meiner Situation war der Schlüssel: weniger ist mehr.

Ich wünsche allen viel Erfolg am Wasser!

Artur Lucinkiewicz



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