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Wer auf den Spuren anderer fährt, kann niemals überholen

Nikolas Korst

Das Jahr 2020 war bis jetzt für viele von uns verrückt und brachte uns alle in Situationen, die neu für uns waren. Aber nicht nur im Alltag mussten wir unser Privatleben sehr einschränken, auch die geplanten Urlaube und Reisen mussten entweder komplett absagesagt oder um geplant werden. So erging es auch mir. Eigentlich sollte es in meinem Sommerurlaub für 10 Tage an einen großen Baggersee im Ausland gehen. Da ich aber leider dazu gezwungen war, diesen Trip in letzter Minute zu canceln, musste schnell ein neuer Plan her. So entschied ich mich während dieser Zeit ein mir bekanntes, unter hohem Angeldruck stehendes Gewässer in der Nähe meines Heimatortes zu befischen. Aber dazu später mehr…

Nun möchte ich erstmal ein wenig ausholen. In dem folgenden Artikel möchte ich euch zeigen, wie dieses Jahr zumindest in puncto Karpfenangeln für mich verlief. Für meinen Erfolg waren mehrere Faktoren verantwortlich. Zum einen ging ich bei meinen Sessions so akribisch und genau wie nur möglich vor und versuchte nichts dem Zufall zu überlassen. Das bedeutete bei den geplanten Ansitzen zwar immer viel Arbeit, die mitunter nicht immer angenehm war, die jedoch unerlässlich war, wenn ich erfolgreich am Wasser sein wollte. Des Weiteren trug auch Victor zu meinem Erfolg bei, der mir nicht nur als Bait Service Berater mit Rat und Tat zur Seite stand, sondern auch als Angelpartner immer half, wenn es ein Problem gab. Ich habe bei unseren gemeinsamen Sessions unheimlich viel gelernt und konnte so durch das neu erworbene Wissen dieses Jahr an allen Gewässern, die ich befischt habe, konstant Fische fangen.

Anfang Februar bestellte ich meine Köder für die kommende Saison im Keen Carp Bait Service. Meine Wahl fiel auf vier verschiedene Mixe: Dem Big Water Mix in Härtegrad 2 und 24 mm, dem Hemp/Nutty Mix in Härtegrad 2 und 24 mm, dem 50/50 Mix in Härtegrad 2 in 24 mm und zu guter Letzt, dem Hot Fish&Gammarus Mix in 20 mm. Mit diesen 4 Ködern, mit denen ich auch im Vorjahr schon erfolgreich war, konnte die Saison 2020 endlich starten.

 

Ohne Fleiß keinen Preis!

Wer schon Mal Stundenlang mit einem Groundtester von 150 g geworfen hat, um zu erfahren wie die Beschaffenheit der Spots ist, oder tagelang nach der Arbeit über 70 km zum vorfüttern gefahren ist, der wird sicher wissen was ich oben mit viel Arbeit meinte. Es war das ein oder andere Mal schon echt eine Überwindung und ich musste mich extremst zusammenreißen, um die Stunde Fahrt pro Weg auf mich zu nehmen und füttern zu fahren. Diese Taktik brachte mir dieses Jahr bis jetzt allerdings gute Fische und was für mich persönlich noch wichtiger war: ich fing konstant!  

Selektiv angeln – der Weg zum Erfolg?

Bei meinen Sessions versuchte ich immer so Selektiv wie möglich zu angeln, da ich die möglichst größten Fische aus dem Gewässer fangen wollte. Das selektive angeln ist nicht für jeden geeignet und auch nicht in jeder Situation die beste Wahl. Das musste auch ich besonders im letzten Jahr teilweise schmerzlich feststellen. Zwar habe ich auch letztes Jahr schon versucht Selektiv  auf große Fische zu Angeln, jedoch weiß ich heute, das mir da noch die nötige Gelassenheit und vor allem die nötige Motivation  für die vorhin beschriebene Vorbereitung  gefehlt hat, um meine Ziele zu erreichen. Das war dieses Jahr anders. Mir ist irgendwann aufgefallen, dass ich einfach viel entspannter am Wasser sein konnte und ich nicht mehr so viel drüber nachgedacht habe, ob meine Entscheidungen  in Sachen Köderwahl, Taktik und Platzwahl die richtigen sind.

Zudem möchte ich diesbezüglich noch ein Missverständnis klarstellen, welches mir durch Gespräche mit anderen Anglern am Wasser aufgefallen ist. Von den Anglern, die mich auch auf meine Köder und Keen Carp angesprochen haben, bekam ich spätestens bei dem Stichwort „selektiv“ immer wieder die Frage: „Ja und mit dem Köder fängst du dann nur Karpfen über 20 kg?“. Leider bringen viele das selektive Karpfenangeln mit dem ausschließlichen Fang von Fischen über 20 kg in Verbindung. Das ist jedoch falsch. Zunächst Mal müssen 20 Kg Fische überhaupt  da sein, um sie fangen zu können. In Gewässern in denen die größten Fische eben „nur“ 15 kg haben, werde ich mit keinem Köder der Welt einen 20 kg schweren Karpfen fangen. „Das ist ja wohl jedem klar!“ – werden sich vielleicht jetzt einige denken, aber meine persönliche Erfahrung hat mir etwas anderes gezeigt.

Vielmehr geht es beim selektiven angeln darum, eine bestimmte Zielgruppe an Fischen ins Visier zu nehmen und den Rest nach Möglichkeit aus zu schließen, z.B. wenn man sich nicht mehr die ganze Nacht mit Brassen, Schleien oder kleinen Karpfen um die Ohren schlagen will. Und das funktioniert mit den Ködern und mit der Taktik von Keen Carp bestens.

12 ft 3lbs? Nein Danke.

Auch  die Veränderung in meinem Tacklearsenal möchte ich kurz ansprechen.  Ich habe Mal einen Artikel gelesen in dem Istvan Orbán schrieb, dass zum Drill großer Karpfen eine 10 Fuß Rute mit einer Testkurve von 1 lbs vollkommen ausreicht. Das hatte mich um ehrlich zu sein ein wenig schockiert. 1 lbs Rute und Karpfen? Das passte für mich einfach nicht zusammen. Damit lag ich jedoch komplett falsch.

Als ich noch wie die meisten anderen auch mit 12 ft und mindestens 2.75 bis hin zu 3.25 lbs Ruten geangelt habe, kam es immer wieder mal vor, das ich Fische besonders im Uferbereich vorm Kescher verloren habe. Ich weiß, viele werden sich jetzt denken: „Tja, drillen will halt eben gelernt sein ? „. Aber mal unabhängig davon, ob ich drillen kann oder nicht, bieten mir die schweren Ruten im Nahbereich einfach nicht den nötigen Puffer, den es bedarf, um plötzliche Fluchten des Fisches abzufedern.

Nach dieser Erkenntnis verkaufte ich umgehend meine 3.25 lbs Ruten und legte mir 2 neue Rutensätze zu. Da ich an den meisten Gewässern die ich befische leider kein Boot nutzen darf entschied ich mich zwar nicht für 1 lbs Ruten, dafür aber für einen Satz in 11 ft und 2 lbs und einen Satz in 10 ft und 2.5 lbs. So bin ich für alle meine Gewässer bestens aufgestellt. Mit meinen 2.5 lbs Ruten schaffe ich Wurfdistanzen bis 75 m, was an meinen Gewässern vollkommen ausreicht.

Seitdem ich mit diesem Equipment ans Wasser fahre, konnte ich die Anzahl der verlorenen Fische auf ein Minimum reduzieren. Auch der Drill macht einfach viel mehr Spaß und ich spüre jede Bewegung des Fisches und kann schneller reagieren.

Think outside the box  - anders als die anderen

Kommen wir nun zu meiner einwöchigen Session im Sommer. Wie oben schon beschrieben, entschied ich mich dazu meinen Urlaub an einem mir bekannten Gewässer zu verbringen an dem ich dieses Jahr bereits 2 Mal zuvor war. Der See ist ca. 10 ha groß, wovon ein Teil allerdings als Vereinsstrecke ausgewiesen ist, auf der  ich als Gastangler nicht angeln darf.

Meine erste Session Anfang März an diesem See verlief leider etwas anders als geplant. Die vorhergesagten 15 Grad und Frühlingswetter entpuppten sich vor Ort lediglich als ein schöner Gedanke. Wir hatten gerade mal Höchstwerte von 8 Grad, Wind und einige Regenschauer. Trotz der widrigen fast noch Winterlichen Verhältnisse, konnte ich mit dem Hot Fish&Gammarus Mix meinen ersten Karpfen 2020 fangen. Einen Spiegler mit 13 kg.

Bei meiner 2. Session im Mai an diesem See waren die Wetterbedingungen zwar deutlich besser, was aber auch einen ganz entscheidenden Nachteil mit sich brachte: der See war außer auf der Vereinsstrecke  voll mit Anglern. So setzte ich mich mit meinem Kumpel Jonas an den Platz, der an die Vereinsstrecke grenzte, da ich hoffte, dass ich dort als erster die Fische abgreifen kann, die vom flachen Vereinsbereich ins tiefere Wasser ziehen.

Bei der Köderwahl fiel die Wahl auf den Hemp/Nutty Mix und den 50/50 Mix.

Leider sollte ich mit meiner Theorie falsch liegen. Die ersten 36 Stunden tat sich nichts. Ich konnte die Fische vermehrt auf der anderen Seeseite am Ufer ausmachen, was uns zu diesem Zeitpunkt allerdings wenig nützte, da der einzige Platz von dem aus ich dort hätte angeln können, belegt war.

Glücklicherweise kannte ich den Angler und bei einem netten Gespräch am Nachmittag, sagte er mir dass er am Folgetag abreisen würde. Ich wusste, wenn wir erfolgreich sein wollten, mussten wir an diesen Platz. So sprach ich mich kurz mit ihm ab und nach seinem OK, bauten wir unser Camp am anderen Ufer ab und bezogen den Platz an dem ich Die ganze Zeit Fische lokalisieren konnte. Dies bedeutete zwar, dass ich eine Nacht nicht angeln konnte, da mein Bekannter erst am nächsten Morgen einpacken wollte, das war mir die Sache allerdings wert und es war wie sich später rausstellen sollte, genau die richtige Entscheidung. Der Abend war entspannt wir unterhielten uns noch bis spät in die Nacht und grillten zusammen.

Am nächsten Morgen konnte ich dann endlich anfangen zu Angeln. Ich beköderte beide Ruten mit einem 50/50 Mix Boilie und platzierte sie dort wo ich zuvor die Fische springen gesehen habe.  Ich füttere Lediglich 10 bis 15 Boilies punktuell mit der Spomb drauf und wartete ab. Auf den ersten biss musste ich auch nicht lange warten. Es war ein Makelloser Spiegelkarpfen mit 15 kg.  

Ca. 2 Stunden später konnte dann auch Jonas seinen ersten Fisch der Session fangen. Ebenfalls ein Spiegler mit 15.8 Kg. 

Gegen Abend  legte ich eine Montage beködert mit dem Hemp/Nutty an die Uferkante  und füttere wieder eine Hand voll Boilies drauf.

Die Nacht verlief außer einem kleineren Fisch bei Jonas dann recht ruhig. Gegen 9 Uhr morgens meldete sich dann der Bissanzeiger der Uferrute. Schon als ich die Rute aufgenommen habe, merkte ich, dass es ein besserer Fisch sein musste. Ohne sich beirren zu lassen zog der Fisch ruhig und Kraftvoll durch den See. Zwanzig Minuten später konnte ich ihn dann erfolgreich keschern. Es war wieder ein Spiegelkarpfen, doch diesmal blieb die Waage bei 21.5 kg stehen.

Yes!!! Der erste 20+ für dieses Jahr.

Zufrieden beendeten wir gegen Mittag die Session und machten uns auf den Heimweg. Aufgrund dessen, dass wir uns die Mühe machten alles abzubauen und umzuziehen konnten wir die zu Anfang Zäh laufende Session doch noch mit Erfolg krönen.

Als ich im Sommer dann meine 3. Session an diesem See begann, war ich zuversichtlich wieder einige Fische fangen zu können. Da mir diesmal mehr Zeit zur Verfügung stand, entschied ich mich dazu mir einige Plätze 3 Tage lang mit dem Nutty Mix, den ich 3 Wochen zuvor aus dem Bait Service nachbestellt hatte, vor zu füttern.

Insgesamt wählte ich nach meiner Ankunft am See 5 Plätze aus, die ich zu Beginn erst einmal 3 Tage lang vorfüttern wollte, ohne auf ihnen zu angeln. Diese Taktik bringt einige Wesentliche Vorteile mit sich. Ich kann die Fische so positiv auf mein Futter konditionieren und habe am Spot die maximale Ruhe, ein Faktor der beim selektiven angeln auf große Karpfen unentbehrlich ist. Hier möchte ich auf die Wichtigkeit des Köders etwas eingehen. Um diese Taktik ausführen zu können, braucht man auch einen passenden Köder. Mit der Taktik alleine kann man noch nicht selektieren.

Die ersten 3 Tage verbrachte ich damit an der Uferkante zu angeln, in der Hoffnung ein paar Bonusfische zu fangen. Insgesamt konnte ich in diesen 3 Tagen 7 Karpfen fangen, alle mit einem Gewicht von 10 bis 14 Kg. Auch hier benutzte ich wieder den Hemp/Nutty Mix in 24mm.

Am 4. Tag legte ich dann abends beide Ruten auf je einen vorgefütterten Platz. Auf den ersten Biss musste ich nicht lange warten. Bereits als ich die Rute aufnahm, merkte ich, dass der Fisch kraftvoll und ruhig seine Bahnen zog und hoffte direkt einen der besseren Fische des Sees am Band zu haben.

Ca. 15 Minuten später konnte ich dann diesen makellosen 17 Kg schweren Schuppenkarpfen über den Kescherrand ziehen.

Nach dem der Fisch versorgt und wieder in seinem Element war, beköderte ich die Rute neu und warf auf den nächsten vorgefütterten Platz. Ich füttere Lediglich 1 Spomb mit 24 mm Nutty Boilies darauf und legte mich wieder schlafen.

Kurz nach Mitternacht dann der nächste Run. Nach kurzem aber kraftvollem Drill, hielt ich zufrieden den nächsten besseren Fisch mit 15.3 kg in den Händen.

Da es ziemlich neblig war und ich am gegenüberliegenden Ufer meine Orientierungspunkte nicht sehen konnte, entschied ich mich dazu die Rute bis zum nächsten Morgen draußen zu lassen.

Kurz vor der Morgendämmerung  lief dann die andere Rute, die noch im Rennen war, ab. Das Ergebnis konnte sich wieder sehen lassen: ein Spiegelkarpfen mit 14.5 kg lag auf der Matte.

Ich beköderte zwei neue Rigs und warf beide Ruten wieder auf zwei vorgefütterte Plätze. Bereits 30 Minuten später erfolgte der nächste Biss. Wieder spürte ich ordentlich Druck am anderen Ende und der Fisch machte keinerlei Anstalten sich in Richtung Ufer zu bewegen. Nach 25 Minuten kescherte ich dann den größten Fisch der Session. Ein langer kraftvoller Schuppenkarpfen mit 20.2 kg.

Da ich mit dem bisherigen Verlauf der Session sehr zufrieden war, beschloss ich alle Plätze für eine Nacht ruhen zu lassen und an diesem Tag nur zu füttern. Am Folgetag begann ich wieder mit dem angeln. Zwei Tage Zeit hatte ich noch.

Zwar konnte ich mich über die Anzahl der Bisse nicht beschweren, jedoch erlebte ich die folgenden 48 Stunden etwas, was mir wirklich seitdem ich angele, noch nie Passiert ist.  In den ersten 24 Stunden bekam ich insgesamt 11 Bisse. Hiervon konnte ich allerdings nur 7 Bisse verwerten; 4 Fische Schlitzten mir einfach aus. Ich konnte es selber kaum fassen. Fünf Tage lang lief alles glatt und von jetzt auf gleich, ohne dass ich was verändert hatte, verlor ich plötzlich einige Fische.

Glücklicherweise war die Anzahl der Fische die ich verloren habe bei meiner Abreise deutlich geringer als die Anzahl der gefangenen Fische. :)

Alles in allem lief die Session super und ich konnte in einer Woche 33 Fische sicher landen. Zudem sollte ich erwähnen dass durch die selektive Taktik und die passenden Köder kein einziger Fisch unter der 10 kg Grenze war!!!

Für viele klingt es unglaublich, 3 Tage zu füttern ohne zu angeln. Ich kann es allerdings nur jedem Angler ans Herz legen diese Taktik aus zu probieren, denn der Erfolg bleibt nicht aus und ganz nebenbei bemerkt, gibt es auch andere Fischarten, denen man in dieser Zeit nachstellen kann. ?

Ich wünsche euch allen maximalen Erfolg am Wasser!

Nikolas Korst



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