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Abseits des Trubels

Martin Plettner

Endlich war es mal wieder soweit. Nach langer Zeit hatten mein Angelkumpel Robert und ich mal wieder Zeit gefunden, um zusammen fischen zu gehen. Ich hatte mir extra 2 Urlaubstage dafür aufgehoben, denn wir wollten unter der Woche fischen gehen, um einfach mehr Ruhe am Wasser zu haben. Mittlerweile war es schon November und die Wassertemperatur betrug „nur noch“ 10 Grad, was für diese Jahreszeit eigentlich noch recht mild ist und uns in die Karten spielen sollte.

Der See war für uns nicht unbekannt, somit stand der Platz bereits im Voraus fest. Jeder hatte ausreichend Möglichkeiten um seine 3 Ruten zu verteilen. Ich übernahm die linke Seite, Robert die rechte. Robert konzentrierte sich hauptsächlich auf ein großes Plateau in gut 200 m Entfernung und platzierte dort 2 Ruten in unterschiedlichen Tiefen. Seine dritte Rute kam ans eigene Ufer. Ich hingegen wollte dem Plateau nicht allzu viel Aufmerksamkeit widmen, da dieses recht häufig befischt wird und legte dort nur eine Rute ab. Für meine übrigen beiden Ruten suchte ich mir deshalb in gut 400-500 m Entfernung neue Spots, bei denen ich hoffte, dass dort niemand fischen würde.

Zwei Tage bevor es losgehen sollte, wurde jeder meiner Spots mit 300 Gramm Boilies vorgefüttert. Einen Tag später wurde erneut gefüttert. Ich wählte dafür einen Boilie vom 50/50 Mix in 24mm mit Spanish Red/Mulberry in Härtegrad 2 aus. An das Haar kamen die 50/50 Balanced Hookbaits, ebenfalls in 24mm.



Ich hatte ein gutes Gefühl, denn die Unterwasserkamera bestätigte, dass meine Platzwahl richtig war. Alle Plätze wurden von den Fischen aufgesucht! Das waren schon Mal beste Voraussetzungen für unsere Session. Am Platz angekommen, richteten wir uns erstmal vernünftig ein und brachten unsere Ruten raus. Als die Dunkelheit einbrach, waren alle Pflichten erfüllt und wir konnten zum gemütlichen Teil des Abends übergehen. Aber lange konnten wir es uns nicht in meinem beheizten Zelt gemütlich machen, denn kurz nach dem Abendbrot meldete sich der Bissanzeiger meiner mittleren Rute. Nach einem unspektakulären Drill hatte ich den ersten Karpfen auf der Matte.

In der Dunkelheit brachte ich die mittlere Rute wieder aus. Dies sollte jedoch der einzige Biss auf diesem Platz gewesen sein. Kurze Zeit später lief dafür die Rute auf dem Plateau ab. Leider schwamm der Fisch direkt in ein Hindernis und ich konnte ihn auch nicht mehr befreien. Total genervt fütterte ich noch am Spot einige Boilies nach und ließ den Platz erst mal in Ruhe. Kaum war ich im Schlafsack und eingeschlafen, lief die zweite Distanzrute ab und holte mich aus dem Tiefschlaf. Wie in Trance bewegte ich mich Richtung Rute und musste erstmal zu mir kommen. Nach ein paar ordentlichen Fluchten fand der Spiegler aber doch noch den Weg in den Kescher. Auch hier entschied ich mich dazu, den Platz erst mal etwas ruhen zu lassen und fütterte nur etwas nach. Wahrscheinlich wollte ich in diesem Moment viel mehr selbst zur Ruhe kommen und einfach nur schnell wieder zurück in den Schlafsack. Aber wie sich herausstellte, sollte die Taktik fruchten…



Mit einem starken Kaffee starteten wir mehr oder weniger ausgeschlafen in den neuen Tag. Nachdem wir uns dann auch noch mit einem ausgiebigen Frühstück gestärkt hatten, wurden die Ruten wieder scharf gemacht. Alle meine Ruten wurden wieder auf dieselben Plätze gelegt. Ich hatte auch eigentlich keinen Grund was zu verändern, denn es sind alle meine Ruten abgelaufen. Fast schon zur gewohnten Zeit, also nach dem Abendbrot, ertönte wieder einer meiner Bissanzeiger. Es war wieder die zweite Distanzrute. Als der Fisch nicht mehr allzu weit weg war, merkte ich schon, dass es sich hier um ein etwas besseres Exemplar handeln könnte. Der Fisch zog ganz ruhig seine Bahnen und wollte erst nicht Richtung Wasseroberfläche. Schließlich wurde der Spiegler doch müde und glitt in die Maschen meines Keschers. Bei 18 kg blieb der Zeiger der Waage stehen. Ich dachte mir aber vielleicht kann ich das noch toppen und ließ deshalb die Rute am Ufer zurück, um am Platz wieder Ruhe einkehren zu lassen und verteilte nur noch ein paar Kugeln am Spot.

Im Laufe des kommenden Vormittags kam dann auch Robert zum Zug und konnte einen Spiegler um die 15 kg von dem Plateau abgreifen.

Wir hatten einen richtig tollen Tag. Jeder war erfolgreich und die Novembersonne hat an diesem Tag noch einmal alles gegeben. Bevor es dunkel wurde, mussten wir uns aber wieder sputen, denn die Ruten sollten auch jetzt wieder zum Abend perfekt liegen. Pünktlich nach dem Abendbrot lief wieder eine Rute ab. Dieses Mal war es Roberts Uferrute. Nach einem kurzen Drill konnte Robert einen Spiegler zum Landgang überreden.

Wir wollten uns gerade zu Bett begeben, als sich wieder der Bissanzeiger meiner zweiten Distanzrute meldete. Hektisch schlüpfte ich in die Wathose, sprintete zur Rute und nahm erstmal Kontakt auf. Mit dem Boot ging es dann Richtung Fisch. Das Wasser war spiegelglatt, der Himmel sternenklar und der Fisch stand wie ein Stein im tiefen Wasser und wollte meiner Zugrichtung nicht wirklich folgen. Schließlich kam doch noch nach einigen kräftigen Fluchten ein Schuppi an die Oberfläche und fand den sicheren Weg in den Kescher. Er verfehlte nur knapp die 20 Kilo-Marke. Aber egal, ich war echt zufrieden, wahrscheinlich war es einer der „Top Ten“ im Gewässer, denn wesentlich größere Karpfen beherbergt dieses Gewässer meines Wissens nach nicht.

Da dies unsere letzte Nacht war, kam die Rute gleich wieder zurück auf den Platz. Und tatsächlich lief noch ein Spiegler auf demselben Spot ab.

Die Taktik, dort zu fischen, wo kaum einer fischt, ging vollends auf. Zusätzlich wurden durch die stetigen Ruhephasen die Spots nicht totgefischt, und ich konnte dort konstant gute Karpfen fangen. Obwohl wir keine Ausnahmefische gefangen hatten, konnte ich mit dieser Session zufrieden meine Angelsaison 2020 beenden. Und seien wir ehrlich, man kann nur dort Ausnahmefische fangen, wo diese auch vorkommen. Unser Ziel war es den Großteil des Karpfenbestands, nämlich die „Kleineren“, nicht anzusprechen und nur die 15 Kilo+ Fische in diesem Gewässer zu fangen. Und mit 5 Karpen über 15 Kilo und 2 um die 14 Kilo kann man sagen: Ziel erreicht.

Tight Lines,
Martin Plettner



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