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Der Weg bestimmt das Ziel

Sebastian Wirtz

Spätestens wenn die ersten warmen Sonnenstrahlen auftauchen und das erste Grün an den Bäumen erscheint, gehen wir Angler in die ersten Vorbereitungen für das kommende Jahr. Mit voller Vorfreude wird das Tackle zusammengelegt und geguckt was man noch für die Saison alles benötigt. Haken, Schnur und noch ein paar Kleinteile und die Saison kann losgehen. Allerdings fehlt noch die wichtigste Frage, bevor ich los lege -Was ist mein Ziel für dieses Jahr.

Sich ein Ziel zu setzen, ist für mich nicht nur irgendeine Aussage was ich gerne fangen oder tun würde. Nein, es ist für mich etwas, dass ich unbedingt erreichen will! Es spornt nicht nur an, sondern meine gesamten Entscheidungen bezüglich des Angelns werden davon beeinflusst. Es ist klar, dass mein Ziel natürlich erst einmal realistisch gesetzt sein muss. Wo ich keine Fische über 15 oder 20 Kilo fangen kann, muss ich mir auch nicht solch ein Ziel vornehmen. Allerdings ist nicht nur das Ziel die Frage, sondern vor allem, welche Möglichkeiten habe ich bzw. welchen Aufwand nehme ich in Kauf.

Nicht jeder Angler kann oder darf an seinem See anfüttern. Die Wegstrecke zum See ist zu weit oder es fehlt ihm einfach die Zeit oder andere Mittel dafür. Das sind alles Themen, mit denen ich mich eigentlich bis letztes Jahr nicht auseinandersetzen musste. Ich war beruflich so eingespannt, dass ich nur selten eine, geschweige denn mehrere Nächte am Stück machen konnte. Mehrfach hatte ich angefüttert, um dann schlussendlich doch nicht angeln zu können. Wenn ich Zeit hatte angeln zu gehen, war weder ein einziger Platz vorbereitet, noch hatte ich die richtigen Köder, um schnell eine Nacht zu gehen.

Meine gesetzten Ziele mussten also über den Haufen geworfen werden, da diese mit meinen Möglichkeiten so nicht zu erreichen waren. Also entschloss ich mich, zwei unterschiedliche Taktiken zu fahren, um ansatzweise noch erfolgreich beim Fischen zu sein.

 

Der Instant Weg

Wie sich Instant fischen definiert, ist glaub ich für einige sehr unterschiedlich. Für den einen ist es einfach ungeplant raus und ein paar Stunden an unterschiedlichen Plätzen zu fischen, für den Anderen ist es eine ganze Nacht, nur ohne vorher den Platz angefüttert zu haben. So oder so ist der Kern, dass wir auf Stellen fischen, wo die Fische nicht von uns vorher mit Futter konditioniert worden sind. Wie beim selektiven Angeln, spielen hier drei wichtige Punkte eine Rolle. Den ersten Punkt kennt wahrscheinlich jeder: die Stelle. Ich unterscheide da zwei Unterschiedliche. Einmal die klassischen Zugrouten der Fische. Wer sie kennt, hat fast den Jackpot, gerade wenn es ums „Instanten“ geht. Fische kommen hier permanent vorbei und müssen zwangsläufig über unser Futter drüber. Die andere Stelle ist der klassische bekannte Futterplatz. Beide Stellen haben ihre Vor- bzw. Nachteile, auf die die ich gleich noch kommen werde. Der nächste Punkt ist das Futter. Wer wenig Zeit zur Verfügung hat, benötigt einen Boilie, der sehr schnell arbeitet. Mit sehr schnell meine ich ab dem Moment, wo er das Wasser trifft. Gerade im Frühjahr nehme ich da sehr gerne den Hot Fish&Gammarus Boilie in Härtegrad 1. Die Temperaturen sind noch sehr kalt und das Wasser dringt nicht so schnell in den Köder ein. Da mit einem niedrigeren Härtegrad der Weg für das Wasser in den Köder einfacher ist, habe ich somit die Garantie, dass meine Inhaltsstoffe auch schneller Wirkung zeigen.

Der letzte Punkt ist die Zeit. Bei den Zugrouten spielt sie meiner Meinung nach nicht so eine große Rolle, als bei den Futterplätzen. Jeder wird bereits die Erfahrung gemacht haben, dass es an seinen Futterplätzen typische Fangzeiten gibt. Gerade Uferplätze sind an meinen Gewässern eher Stellen, die in den frühen Morgenstunden ablaufen. Ebenso habe ich Plätze, wo vermehrt die Läufe gegen die Mittagszeit kommen und Stellen die Tagsüber wie tot wirken. Mit ein wenig Verspätung wollte ich nun aber an meinen bekannten Platz gehen. Hier habe ich sonst nur selektiv und mit ordentlicher Vorbereitung geangelt. Der Platz läuft oft erst morgens ab 5 Uhr bis ca. 10-11 Uhr, daher hieß es früh den Wecker stellen und ab ans Wasser. Im Gepäck hatte ich den Hot Fish&Gammarus Boilie in 20 mm und eine Packung Wafter. Etwas sehr früh am Gewässer angekommen, flog auch sehr schnell meine Rute auf den Platz. Der Spot war keine 10 Meter vom Ufer und lag in drei Meter Tiefe. Eigentlich ist es sogar noch ein Teil des Ufers, da es vom Ufer auf vier Meter geht und dann wieder auf drei Meter hoch, um danach auf sieben Meter in die Tiefe zu fallen. Alle anderen Uferkanten gehen sofort auf sechs bis sieben Meter runter. Es war noch dunkel als das erste Mal die Rute ablief. Sehr lange hatte ich so in dem Stil nicht mehr geangelt, daher war die Freude riesig als ich den Spiegler nach so kurzer Zeit in den Händen halten durfte.

Ich wusste nicht ganz, ob solch ein Platz jetzt nochmal Fisch bringen wird. Oft habe ich beim selektiven Angeln erlebt, dass ein Platz regelrecht tot ist für sehr viele Stunden. Trotzdem hatte ich noch bis mittags Zeit und wollte diese auch nutzen. Meine Rute ging wieder auf den Platz und ich fütterte erneut 200 Gramm Futter auf den Spot.

Ich sage euch, ich habe dick und fett gegrinst, als die Rute zum zweiten Mal ablief. Diesmal ein Schuppi und für diese Art der Angelei auch gar kein so kleiner Fisch, knapp 15 Kilo zeigte die Waage an. Die Zeit war dann aber auch schon abgelaufen und es hieß ab nach Hause. Ich hatte zwar noch etwas Zeit, aber die Stelle hatte mir noch nie nach der Mittagszeit Bisse gebracht.  

Ich habe mich für die Stelle entschieden, da hier nur selten Brassen auf den Platz kommen. Klar, auf den Zugrouten hätte ich bestimmt den ein oder anderen Fisch mehr gefangen. Problem ist nur, hier ziehen eben vermehrt auch andere Fische häufig vorbei, die man eben nicht fangen möchte. Gerade hier auf der Stelle ist bzw. war der Faktor Zeit enorm wichtig. Die Stelle wird nicht permanent von den Fischen angeschwommen, wodurch ich eben zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle sein muss.

 

Der selektive Weg

Auch wenn diese Art des Angels echt Spaß gemacht hatte, so wollte ich doch wieder ne ganze Nacht raus und wissen, dass der Platz vorbereitet ist. Mehr Zeit bedeutet mehr Möglichkeiten, was wiederum komplett neue Ziele mit sich bringt. Ich war vor der Laichzeit und direkt danach. Mein Vorgehen ist fast identisch. Ich füttere über drei Tage meine Futtermenge an. Die Menge an Futter ist von See zu See unterschiedlich. Ich habe Seen, da reichen 120 Gramm und an anderen Seen kann ich auch auf 500 Gramm hochgehen. Wie viel Futter ich nutze, hat einmal mit der Jahreszeit zu tun, und einmal auch wie der Fischbestand ist. Meistens bewege ich mich irgendwo zwischen300- 350 Gramm. Im Frühjahr nutze ich sehr gerne die 50/50 Boilies in 24 mm um dann nach der Laichzeit sofort auf die Big Water Boilies in 24 mm zu wechseln. Gerade der Big Water ist ein Köder, der sehr langsam im Wasser arbeitet und unteranderem dadurch erheblich selektiver wirkt. Für das wärmere Frühjahr suchte ich mir einen flachen Bereich im See. Weniger als 3 Meter ist aber hier leider nicht drin. Die Stelle an sich, war direkt neben einem großen Krautfeld. Der Boden wechselte hier, vom tiefen Schlamm, ein paar Meter neben Krautfeld, hin zu sandigem Boden nähe des Feldes. Drei Tage brachte ich das Futter, sehr zentriert auf dem sandigen Bereich ein.

Leider musste ich am nächsten Morgen feststellen, dass ich viel zu lange ausgeschlafen hatte. Eine Kältewelle hatte die Fische wohl wieder ins tiefere Wasser gezogen, daher wollte ich es die Tage an einem neuen Platz versuchen. Die Bodenbeschaffenheit sah hier ähnlich wie bei der ersten Stelle aus, allerdings war diese in einem relativ großen Krautloch. Mitten in der Nacht wurde ich dann endlich geweckt. Allem Anschein nach hatte ich die richtige Tiefe gefunden. Nach einem sehr intensiven Drill hatte ich den ersten Fisch mit über 20 Kilo in der Hand.

Enorm glücklich, wollte ich aber die erste Stelle nicht aufgeben. Die Stelle wirkte auf dem ersten Blick so unmarkant, dass sie für mich schon reizvoll war. Irgendwoher musste der Bodenwechsel herkommen. Also ging es ein paar Tage später nochmal raus. Wieder war es eine ruhige Nacht, dann aber beim Frühstück der erlösende Ton. Ein richtig strammer Schuppi lag nun auf meiner Matte.

Nach der Laichzeit und bei sehr starken Temperaturen, zieht es mich immer wieder auf Plätze, die im Tieferen liegen. Da wir bereits die 30 Grad Marke geknackt hatten, musste eben eine Stelle her, die nicht in 3 Meter liegt. Ich habe mich für eine kleine Kante entschieden. Diese fällt von 6 Meter auf 6.50 ab. Eine zweite Stelle, ist in 7 Meter Tiefe. Der Köder ein Big Water Boilie in Härtegrad 2 und schön scharf. Der Big Water arbeitet bei den Bedingungen nicht so schnell und seine Inhaltsstoffe locken nicht jeden Flossenträger auf den Platz. Wie im Frühjahr wird der Platz so klein wie möglich gehalten. Wenn mein Rig am Boden ankommt, lasse ich mein Futter einfach an der Schnur herunterfallen und habe so die Sicherheit, dass das Futter nicht meterweit verteilt ist. Ich habe mir erstmal nix groß versprochen, da ich an dieser Stelle das allererste Mal war. Doch ich wurde sehr schnell belohnt für all die Mühen. Die 6 Meter Stelle brachte mir einen Spiegler mit 19 Kilo.

Ich brachte die Rute sofort wieder auf den Platz und mehr als 10 Boilies flogen nicht mehr auf den Spot. Durch den sehr kleinen Futterplatz ist es möglich, dass der Fisch sich sehr schnell hakt. Er muss nicht zwangsläufig den Platz leergefressen haben. Füttere ich jetzt erneut 200 oder 300 Gramm, so füllt sich der Spot immer mehr mit Boilies und wird attraktiver. Gegen 18 Uhr bekam ich dann erneut die ersten Pieper. Der Swinger ging kurz hoch und wieder runter, dann Stille. Mit Sicherheit ein Schnurschwimmer dachte ich mir. Weitere 15 Minuten später dann das gleiche Spiel, doch diesmal drehte die Bremse durch. Nach einem nervenaufreibenden Drill und einer gefühlten Ewigkeit später, hatte ich ihn dann endlich im Kescher.  In meinen Händen ein 26 Kilo schwerer Spiegler! Der Plan ging auf.

Für mich war es eine super Erfahrung, seinen eingefleischten Stil ändern zu müssen. Durch die limitierte Zeit musste ich einen völlig untypischen Weg für mich wählen, allerdings musste ich mir dadurch andere Ziele setzen. Erst mit mehr Zeit, konnte ich auch andere Köder bzw. Stellen befischen, die zu völlig anderen Ergebnissen geführt haben.  Trotzdem werde ich in Zukunft auch wieder einmal nur ein paar Stunden rausgehen, auch wenn das selektive Angeln weiterhin für mich die Nummer Eins bleiben wird.

 

Sebastian Wirtz



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